PRODUKT: Welche Bedeutung hat das Dauergrünland als Grundlage für die Heumilchproduktion?
Neuhofer: Das Dauergrünland – also Wiesen, Weiden und Almen – ist die zentrale Futtergrundlage der Heumilchwirtschaft, mindestens 75% des Futters bestehen aus Gras und Heu. Eine Umfrage unter unseren Mitgliedsbetrieben zeigt aber, dass dieser Anteil in der Praxis mit durchschnittlich rund 85% sogar deutlich höher liegt. Damit nutzt die Heumilchwirtschaft vor allem lokal verfügbare Ressourcen, die vom Menschen nicht direkt als Lebensmittel genutzt werden können. Das macht Heumilch zu einer zukunftsfähigen Form der Milcherzeugung.
PRODUKT: Welche Faktoren beeinflussen die Quantität und Qualität der Heuernte?
Neuhofer: Für die Erntemenge sind vor allem die Witterungsbedingungen entscheidend, das heißt: ausreichende Niederschläge während der Vegetationsperiode, begleitet von Sonnenfenstern für die Heutrocknung. Für eine hohe Grundfutterqualität ist eine moderne Heutrocknungsanlage unter Dach unerlässlich. Sie reduziert Bröckelverluste, sodass mehr wertvolle Pflanzenteile und damit Energie und Eiweiß erhalten bleiben und die Qualität des Heus verbessert wird. Bereits 81% der Heumilchbetriebe setzen auf diese Trocknungstechnik. Sehr erfreulich ist auch, dass sich die Anzahl der Weidetage bei Heumilchbetrieben im Schnitt in den letzten zehn Jahren um 40 Tage erhöht hat.
PRODUKT: Und welche Herausforderungen bringt der Klimawandel für die Heuwirtschaft mit sich?
Neuhofer: Die Auswirkungen des Klimawandels sind für die Heumilchbetriebe deutlich spürbar. Die Trockenheit in diesem Sommer war extrem herausfordernd. Geringe Erntemengen und kaum Heu auf dem Markt setzten die Betriebe stark unter Druck. Langfristig beobachten wir, dass sich die Vegetationsperiode in den Heumilchregionen in den vergangenen Jahrzehnten verlängert hat. Der erste Schnitt erfolgt früher, der letzte später im Jahr. Allerdings entfällt durch ausgeprägte Trockenphasen im Sommer immer öfter ein Schnitt, was diesen Vorteil relativiert. Die Betriebe reagieren mit verschiedenen Maßnahmen auf die Entwicklung: Ein professionelles Futtermanagement mit dem Aufbau von Reserven in ertragreichen Jahren kann helfen. In ausgeprägten Trockenjahren wie heuer reichen die Reserven aber nicht aus. Eine weitere langfristige Maßnahme ist die Integration trockenheitstoleranterer Pflanzen wie Rotklee und anderer Leguminosen in das Dauergrünland, die je nach Standort zur Anpassung beitragen können.
PRODUKT: Inwieweit haben sich auf den heimischen Heumilch-Betrieben in den letzten Jahren technologische Fortschritte durchgesetzt, etwa hinsichtlich Arbeitserleichterung, Nachhaltigkeit,…?
Neuhofer: Eine wichtige Rolle spielen Investitionen in die bereits erwähnten modernen Heutrocknungsanlagen. Dadurch reduziert sich die Wetterabhängigkeit bei der Heuernte und die Grundfutterqualität wird maßgeblich erhöht. Dies führt zu einer ressourcenschonenderen Milchproduktion mit erheblich weniger Getreideeinsatz. Auch erneuerbare Energien gewinnen auf den Höfen an Bedeutung. Bereits 58% der Heumilchbetriebe verfügen über Photovoltaikanlagen, 28% planen Investitionen in PV. Um diese Entwicklung weiterhin voranzutreiben, unterstützt die ARGE Heumilch ihre Mitgliedsbetriebe bei geplanten Umbauten und Investitionen durch eine unabhängige Heutrocknungsberatung.