Warum Hülsenfrüchte einen Platz in unserer „Nachhaltigkeit – Sortimente mit Zukunft“-Ausgabe erhalten, ist schnell erklärt: Leguminosen benötigen keinen mineralischen Stickstoff-Dünger, da sie Stickstoff aus der Luft aufnehmen, in ihren Wurzeln speichern und sogar den Boden für folgende Kulturen damit anreichern. Was sie gleich mehrfach nachhaltig macht, denn zum einen filtern sie Stickstoff aus der Luft – die FAO geht von weltweit 6 Mio. Tonnen aus, die der Atmosphäre auf diesem Weg entzogen werden – und zum anderen helfen sie, den Einsatz von Stickstoffdünger in der Fruchtfolge zu reduzieren. Bei Estyria, wo sich unter den Marken „Mutter Natur“ bzw. „Steirerkraft“ neben Käferbohnen u.a. auch diverse Buschbohnen und Kichererbsen in den Sortimenten finden, ist man jedenfalls überzeugt: „Hülsenfrüchte sind für eine ökologisch nachhaltige Ernährung wichtig, weil sie von Natur aus den Boden verbessern, Energie sparen, Emissionen senken und somit Umweltbelastungen reduzieren.“ Biopionier und Demeterbauer Christian Stadler, seines Zeichens Geschäftsführer von Morgentau Biogemüse, fügt hinzu: „Der Boden wird fruchtbarer für nachfolgende Kulturen. Hülsenfrüchte bereichern die Landwirtschaft und die Fruchtfolge, denn sie fördern den Humusaufbau, verbessern die Bodengesundheit und stärken die Biodiversität.“
FAKTOR GESUNDHEIT. Aber auch im Rahmen einer vermehrt pflanzenbasierten Ernährung kommt Hülsenfrüchten eine Schlüsselrolle zu, da ihr hoher Proteingehalt sie zu einer perfekten Alternative für tierische Eiweißquellen macht. Wobei Proteine nicht nur bei Veganer:innen und Vegetarier:innen hoch im Kurs stehen, sondern insgesamt einen noch nie dagewesenen Hype erfahren. Bei der Schalk Mühle, einem Familienbetrieb, der in 6. Generation von Franz und Rainer Schalk geführt wird und der sich auf CO2-neutrale, biologische Lebensmittel aus der Region spezialisiert hat, meint man: „Ein zentraler Treiber der Nachfrage ist der verstärkte Fokus auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, insbesondere der Trend hin zu einer pflanzenbasierten Ernährungsweise hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Hülsenfrüchte liefern dafür hochwertiges pflanzliches Eiweiß, komplexe Kohlenhydrate sowie viele Ballaststoffe.“ Aber auch abseits von Proteinen, Kohlenhydraten und Ballaststoffen bieten Hülsenfrüchte so einiges, was der Gesundheit dienlich ist. Christian Stadler, Morgentau Biogemüse: „Es gibt viele ernährungsphysiologische Gründe, die für Hülsenfrüchte sprechen. Sie sind nicht nur eine erstklassige Quelle für Eiweiß und Ballaststoffe, sondern auch für Eisen, Magnesium, Zink und B-Vitamine.“ Und last but not least: Hülsenfrüchte schmecken nicht nur gut, sondern sie eignen sich für vielerlei Gerichte – von Currys und Bowls über Salate bis hin zu Aufstrichen und Dips – den Einsatzmöglichkeiten sind also kaum Grenzen gesetzt.
NACHGEFRAGT. Dass die Nachfrage nach den nachhaltigen Superhelden steigt, bestätigen die Hersteller. So zum Beispiel Christian Stadler: „Dass Hülsenfrüchte derzeit ein Hoch erleben, können wir bestätigen: Bei unseren Kichererbsen und Linsen sehen wir zweistellige jährliche Zuwachsraten und das Interesse des Handels an weiteren Leguminosen ist groß.“ Besonders gefragt sind zudem Produkte aus Österreich, insbesondere Bioware. Bei der Schalk Mühle merkt man an: „Wir beobachten eine steigende Nachfrage nach Bio-Ware aus Österreich. Das betrifft vor allem Kulturen, die traditionell häufig importiert wurden – etwa bestimmte Bohnen- oder Linsensorten. Konsument:innen legen zunehmend Wert auf Transparenz, Herkunft und Regionalität. Dieser Bewusstseinswandel spiegelt sich klar in unseren Absatzzahlen wider.“ Nachdem aber nicht alle Hülsenfrüchte unkompliziert im Anbau sind – insbesondere so manche seltenen Sorten – steht der hohe Aufwand nicht immer im wirtschaftlichen Verhältnis zum Ertrag, v.a. wenn Ware aus dem Ausland wesentlich günstiger angeboten werden kann, berichten die Erzeuger. Um dem entgegenzuwirken, setzt man z.B. bei der Schalk Mühle auf langfristige Partnerschaften mit Vertragslandwirt:innen und faire Preise, denn nur so kann Planungssicherheit und Verfügbarkeit gewährleistet werden. „Unser Ziel ist es, den heimischen Anbau nachhaltig zu stärken und weiter auszubauen“, berichtet das Unternehmen. Bei Estyria sieht man es ähnlich. Cretnik: „Grundsätzlich scheitert es nicht an der Verfügbarkeit heimischer Rohstoffe, sondern am massiven Preisdruck durch Importware. Günstige Produkte aus dem Ausland erschweren es, österreichische Hülsenfrüchte wettbewerbsfähig am Markt zu platzieren.“
UNTERM STRICH. Gut für die Umwelt, gut für eine ausgewogene Ernährung und ausgestattet mit Vielseitigkeit sowie Geschmack – Hülsenfrüchte haben ihr Comeback in die Regale des Handels und die Küchen der Verbraucher:innen wahrlich verdient. Wird zudem auch noch der lokale Anbau weiter vorangetrieben, steht einer nachhaltigen Karriere nichts im Weg.
