PRODUKT: Unser Heftthema lautet „Nachhaltigkeit“. Ist das aber überhaupt ein Fokus-Thema für die AMA-Marketing?
Mutenthaler-Sipek: Die Themen Nachhaltigkeit, Biodiversität und Klimaschutz spielen in unseren Programmen eine wichtige Rolle und werden bei der Weiterentwicklung von Richtlinien immer stärker berücksichtigt. Mit 50.000 teilnehmenden landwirtschaftlichen Betrieben haben wir so viele Landwirt:innen wie sonst kein anderes Qualitätsprogramm. Diese Größe bringt einerseits Verantwortung mit sich, andererseits auch die Möglichkeit, Dinge in der Breite zu verändern. Wir sehen, dass österreichische Landwirt:innen bereit sind, über das Gesetz hinausgehende Bestimmungen zu erfüllen, um so auch ihren Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft zu leisten. Wir versuchen mit der stetigen Weiterentwicklung der Richtlinien unserem Anspruch als Taktgeber – auch was die Nachhaltigkeit anlangt – gerecht zu werden.
PRODUKT: Gehen wir bitte gerne auf die einzelnen Bereiche ein: Welche Aspekte sehen Sie als maßgeblich wichtig an, wenn es um eine klimafreundliche Tierhaltung bzw. tierische Produkte geht?
Mutenthaler-Sipek: Österreichische Landwirt:innen erfüllen bereits einige EU-Auflagen in Bezug auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Mit dem Agrarumweltprogramm „Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft“ (ÖPUL) ist Österreich seit Jahrzehnten Vorreiter in Europa hinsichtlich umweltgerechter Landwirtschaft. Trotzdem ist es wichtig, dass wir unsere Tierhaltung laufend weiterentwickeln. So freut es mich sehr, dass uns heuer gemeinsam mit der Branche die Weiterentwicklung AMA-Gütesiegel Tierhaltung plus für Milch und Milchprodukte gelungen ist. Über 13.000 Milchviehbetriebe nehmen daran teil und leisten einen wichtigen Beitrag zur verbesserten Tierhaltung, Tiergesundheit und Nachhaltigkeit, indem beispielsweise nur gentechnikfreie und europäische Futtermittel erlaubt sind. Ich bin davon überzeugt, dass es nicht am Willen österreichischer Landwirt:innen scheitert, sondern oft an den wirtschaftlichen Gründen. Investitionen sollten ökologisch, aber auch ökonomisch nachhaltig sein. Daher wird es auf politischer Ebene wichtig sein, neben bestehenden Programmen entsprechende finanzielle Anreize zu schaffen. Und letztlich sind auch die Konsument:innen gefragt, sich nicht nur mehr Tierwohl und Nachhaltigkeit zu wünschen, sondern auch tatsächlich zu kaufen.
PRODUKT: Wie sieht es im Bereich Obst und Gemüse aus?
Mutenthaler-Sipek: Die Erzeugerbetriebe im AMA-Gütesiegel-Programm werden nach der AMAG.A.P.-Richtlinie zertifiziert, welche nach dem internationalen Obst- und Gemüsestandard GLOBALG.A.P. anerkannt ist. Hier gibt es strenge Vorgaben bezüglich Pflanzenschutz, bedarfsgerechte Düngung, Fruchtfolge, Abfallmanagement, Energieeffizienz und soziale Belange. Die zentrale Voraussetzung für Erzeuger:innen, die ins AMA-Biosiegel-Programm liefern, ist die EU-Bio-Verordnung. Zusätzlich gibt es noch Vorgaben beispielsweise hinsichtlich nachhaltigen Verpackungsmaterials.
PRODUKT: Und was können wir uns in Sachen Nachhaltigkeit von den AMA-Gütesiegeln auf Mehl sowie Brot- und Backwaren erwarten?
Mutenthaler-Sipek: Im Bereich Ackerfrüchte setzen wir viele Schritte, indem wir in den Richtlinien auch das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz fest verankern. Das AMA-Gütesiegel für Brot und Backwaren deckt nach der neuen Richtlinie alle Schritte der Produktion und Vermarktung ab – von den konventionellen landwirtschaftlichen Betrieben über Aufkäufer, Mühlen und Bäckereien bis hin zum Supermarktregal. So wird die gesamte Wertschöpfungskette einbezogen und regionale Qualität garantiert. Mit ihrer Teilnahme tragen unsere bislang 6.600 Ackerbaubetriebe aktiv zum Klimaschutz und zur Erhaltung der Biodiversität bei, indem sie mindestens drei Punkte des Österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) umsetzen. Das AMA-Gütesiegel für Brot und Backwaren steht damit nicht nur für Regionalität, sondern auch für Nachhaltigkeit und Biodiversität.
PRODUKT: Die AMA-Marketing schwenkt nun auch mehr in Richtung pflanzlicher Produkte – was ist der Hintergrund dazu?
Mutenthaler-Sipek: Pflanzliche Ernährung spielt für immer mehr Konsument:innen eine wichtige Rolle und daher sehen wir es als unsere Aufgabe, diesem Bereich einen entsprechenden Platz einzuräumen. Wir sehen hier auch weitere Möglichkeiten, dass der Handel auf Produkte mit dem AMA-Gütesiegel setzt, denn wir setzen auf die obligatorische Teilnahme an wichtigen Umweltprogrammen. Heuer steht das AMA-Gütesiegel für Brot und Backwaren am Programm, nächstes Jahr wollen wir dieses auch auf andere Ackerfrüchte, wie etwa Hülsenfrüchte, erweitern.
PRODUKT: Und generell gefragt: Auf welche klimafreundlichen Aspekte kann man sich verlassen, wenn man AMA-Gütesiegel-Produkte kauft?
Mutenthaler-Sipek: Das Gütesiegel garantiert Regionalität und Qualität. Alle Produktionsschritte erfolgen in Österreich. Das heißt beispielsweise bei Fleisch, geboren, aufgezogen, geschlachtet und verarbeitet. Die teilnehmenden Betriebe müssen außerdem je nach Richtlinie einige Auflagen erfüllen, die in Aspekte des Umweltschutzes einzahlen. Beispielsweise verwenden AMA-Gütesiegel-Betriebe zum Großteil hofeigene Futtermittel. Durch kürzere Transportwege wird ein Beitrag zu einer Emissionsreduktion geleistet und durch eine inländische Produktion wird die Selbstversorgung gestärkt. Ich möchte festhalten, dass wir kein Nischenprogramm sind und bei uns alle Veränderungen nur gemeinsam mit Vertreter:innen aller Branchen geschehen – und dann aber auch von allen mitgetragen werden und eine sehr große Hebelwirkung haben. Wir wollen mit der Weiterentwicklung unserer Qualitätsprogramme die breite Masse erreichen und qualitativ hochwertige Lebensmittel mit klar nachvollziehbarer Herkunft zu leistbaren Preisen anbieten.
PRODUKT: Besten Dank für Ihre Ausführungen!