PRODUKT: Was sind die Gründe für den Rückgang von Fassbier in der Gastronomie?
Berger: Hauptgrund ist die anhaltende Schließungswelle bei klassischen Wirtshäusern. In den vergangenen Jahren sind mehrere hundert Betriebe vom Markt verschwunden. Mit jedem Gasthaus, das zusperrt, geht grundsätzlich ein Vertriebspunkt für „offenes“ Bier verloren. Wir differenzieren aber: Entweder geht ein Standort komplett verloren, weil er nicht mehr gastronomisch weitergenutzt wird. Oder der Standort wird weiter gastronomisch genutzt, jedoch mit einem weniger bieraffinen Gastrokonzept als der Vorgängerbetrieb. Oder – und diesen Trend sehen wir erfreulicherweise öfter – junge Gastronom:innen übernehmen einen Standort und interpretieren das „klassische“ Gasthaus neu.
PRODUKT: Gibt es Möglichkeiten, hier das Ruder herumzureißen?
Berger: Der Außer-Haus-Bereich ist, im Vergleich zum Lebensmittelhandel, der mengenmäßig kleinere Vertriebsweg, ist jedoch für das „Look and Feel“ der Bierkultur besonders wichtig. Der Verband der Brauereien Österreichs engagiert sich seit Jahren gemeinsam mit Mitgliedsbetrieben und berufsbildenden Schulen in der Biersommelier-Ausbildung. Hier geht es darum, jungen Fachkräften das Rüstzeug mitzugeben, den Gästen Bierkultur als Teil eines gesamthaften gastronomischen Erlebnisses zu vermitteln. Das klassische Wirtshaus erhält aktuell gute mediale Aufmerksamkeit durch eine TV-Serie namens „Aufsperren statt Zusperren“ (ORF – Red.). Die Sendungen richten sich an Menschen, die sich für lokale Kultur, Gastronomie und Dorfgemeinschaften interessieren und bietet gleichzeitig praktische Einblicke in die Herausforderungen des Wirtshausbetriebs in Österreich. Gleichzeitig sehen wir im Tourismus einen wichtigen Lichtblick: 157 Mio. Nächtigungen im Jahr 2025 sind ein Rekordwert, der seitens der Touristiker auch für heuer als erreichbar gewertet wird. Zusätzlich versprechen wir uns Impulse durch den Song-Contest in Wien und die Fußball-WM – auch wenn die Austragungszeiten eher für alkoholfreies Bier sprechen.
PRODUKT: Welche Rolle spielt AF-Bier in der Gastronomie?
Berger: Eine zunehmend wichtige. Die Auswahl an alkoholfreien Bierstilen steigt stetig. AF-Bier ist damit „Ganztagesgetränk“, idealerweise auch veganer Speisebegleiter, für jeden Gastronomietyp. Innerhalb des AF-Segments gibt es auch immer mehr 0,0-Biere. Damit steht Biergenuss allen Menschen offen, auch jenen, die Alkohol auch in Kleinstmengen vermeiden.
PRODUKT: Wie könnte die Gastronomie diese positive Entwicklung nutzen?
Berger: Eine Möglichkeit wäre, sich nach alkoholfreien Bieren im Fass zu erkundigen. Eine wachsende Anzahl von Brauereien bietet diese Variante mittlerweile an. Somit können Gastronom:innen AF-Bier auch im offenen Ausschank anbieten und damit ihre Bier- und Servicekompetenz zeigen.
PRODUKT: Herr Berger, vielen Dank für die interessanten Impulse.