Gastgeberqualitäten

Alois Rainer, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der WKÖ.

Im Gespräch erläutert Alois Rainer, WKÖ-Obmann Fachverband Gastronomie, warum die heimischen Betriebe zu Unrecht als „Inflationstreiber“ angeprangert werden und wo die aktuellen Herausforderungen der Branche liegen.

Kategorie: Professional

PRODUKT: Das neue Jahr ist noch recht jung, wie ist der Stand der Dinge in der heimischen Gastronomie?

Rainer: Wir setzen uns intensiv dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für unsere Branche besser werden. Hohe Energiepreise und stark gestiegene Lohnkosten haben uns in den letzten Jahren gefordert. Dazu kommt eine Inflationsrate, die in mehrfacher Hinsicht negativ gewirkt hat: Einerseits wurden unsere Rohstoffe massiv teurer und andererseits war auch die Konsumstimmung durchaus gedämpft. Aber Österreich ist und bleibt ein Land der Gastgeber:innen und setzt mit seiner Gastronomie international Maßstäbe.

PRODUKT: Wie stehen Sie zur Anschuldigung, die Gastronomie sei Inflationstreiber?

Rainer: Anstatt die Gastronomie in pauschaler Weise zu verunglimpfen, sollte die Inflation endlich wirksam bekämpft werden. Die Gastronomiebetriebe sind nicht die „Inflationstreiber“, sondern die ersten Betroffenen von steigenden Preisen. Klar ist darüber hinaus auch, dass die österreichische Gastronomie breit aufgestellt ist und seit jeher ein vielfältiges Angebot bietet – vom leistbaren Mittagstisch bis hin zur gehobenen Küche.

PRODUKT: Welche Maßnahmen wären aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Rainer: Wir sehen, dass vieles mit den Energiepreisen steht und fällt. Ebenso sind die Lohnabschlüsse ein zentraler Faktor. Auch beim Bürokratieaufwand besteht großer Handlungsbedarf. Hier warten wir noch auf spürbare und nachhaltige Verbesserungen.

PRODUKT: In welchen Bereichen hat es die heimische Gastronomie schwer?

Rainer: Wir sind ein Land der Familienbetriebe. Gerade junge Betriebsübernehmer:innen tun sich oft schwer, in die elterlichen Betriebe reibungslos einzusteigen. Umso wichtiger ist es, bei gesetzlichen Regulatorien klar zwischen tatsächlich relevanten Anforderungen und dem um sich greifenden Gold Plating zu unterscheiden. Hier besteht dringender Bedarf an Entbürokratisierung. Extrem kritisch sehen wir darüber hinaus wiederkehrende Forderungen nach zusätzlichen Verpflichtungen, etwa im Zusammenhang mit einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung auf Speisekarten, die zu weiterem bürokratischem Mehraufwand führen würden.

PRODUKT: Lässt sich eine erste Prognose zur Entwicklung in 2026 abgeben?

Rainer: Wir kämpfen weiter und setzen uns weiterhin mit Nachdruck für die Anliegen unserer Branche ein.

PRODUKT: Vielen Dank für Ihre Ausführungen.