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Thomas M. Grömer ist Gründer und CEO von Aiya Europe. Der „Teepapst“ hat Matcha in Europa populär gemacht.

Das Jahrhunderte alte japanische Kulturgut Matcha ist zu Pulver vermahlener Grüntee. Thomas M. Grömer, „Teepapst“ und Gründer von Aiya Europe, hat Matcha einst nach Europa gebracht. Im Gespräch erläutert er die Eckpfeiler hoher Matcha-Qualität.

Kategorie: Food

PRODUKT: Wie groß ist der österr. Matcha-Markt gesamt und wie hat er sich zuletzt entwickelt?

Grömer: Zahlen für Österreich liegen nicht direkt vor, doch der europäische Matcha-Markt liefert einen guten Anhaltspunkt: 2024 waren es rund 850 Mio. US-Dollar, für 2025 ist ein Wachstum auf etwa 915 Mio. prognostiziert, bis 2035 wird der Markt nahezu 1,93 Mrd. US-Dollar erreichen, mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 7%.

PRODUKT: Wie hoch ist der Marktanteil von Aiya?

Grömer: Aiya gilt als weltweit führender Produzent von reinem japanischen Matcha und prägt den europäischen Markt seit Jahrzehnten. Die Produkte bilden die Basis zahlreicher erfolgreicher Matcha-Produkte im Handel und in der Gastronomie. So stellt etwa Aiya Europe sicher, dass authentischer Matcha in Europa und der GCC-Region verfügbar ist.

PRODUKT: Wo liegen die Ursprünge von Aiya? Seit wann gibt es das Unternehmen?

Grömer: Aijiro Sugita I. gründete 1888 eine Produktion von Indigo und Tees in Nishio, Japan, und lieferte diese vorwiegend an Tempel. Das daraus entstandene Unternehmen Aiya wird bis heute in 5. Generation geführt und gilt als Pionier in Kultivierung, Verarbeitung und der weltweiten Vermarktung. In meinen Reisen in den 1990er Jahren inspirierte mich die Begegnung mit der Familie Sugita, Matcha nach Europa zu bringen, woraus die Gründung von Aiya Europe im Jahr 2001 resultierte. Heute beliefert Aiya Europe gezielt Gastronomie, Lebensmittelindustrie und Hersteller im europäischen Markt mit hochwertigem japanischem Matcha. 2015 startete „Kissa“ als Marke für Endverbraucher:innen im LEH und ist inzwischen ebenfalls in der Gastronomie vertreten.

PRODUKT: Wie groß ist das Sortiment?

Grömer: Aiya Europes Sortiment umfasst Matcha von zeremoniellen bis zu industriellen Graden, sowohl konventionell als auch biologisch angebaut. Hinzu kommen Latte-Mischungen für Matcha und weitere Teepulver. Die Produkte finden Anwendung in Lebensmitteln, Kosmetik, Nahrungsergänzungsmitteln und der Gastronomie. Die Marke „Kissa“ bietet zudem verschiedene Matcha-Pulver sowie Latte-Mixes.

PRODUKT: Haben Sie Neuprodukte?

Grömer: Aiya Europe erweitert kontinuierlich das Sortiment, um Endverbraucher:innen im LEH und der Gastronomie neue Möglichkeiten zu bieten, hochwertigen Matcha einfach zu genießen. Besonders das Portfolio an Convenience-Produkten ist gewachsen: Dazu gehören „Matcha Latte Mixes“ für eine schnelle und einfache Zubereitung sowie „Matcha-To-Go-Sticks“, die perfekt portioniert sind für unterwegs.

PRODUKT: Was zeichnet das Sortiment aus?

Grömer: Das Sortiment überzeugt durch Herkunft, Qualität und Vielfalt: Japanischer Matcha, traditionell verarbeitet und fein gemahlen, garantiert Aroma- und Farbintensität. Die Produkte sind vielfach zertifiziert und erfüllen hohe Anforderungen von Handel und Konsument:innen. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die durchgängige Kühlkette: Vom Produktionsort in Japan bis zur Auslieferung in Europa wird der Matcha gekühlt transportiert und gelagert, um Oxidation zu verhindern und die Frische dauerhaft zu sichern.

PRODUKT: Wie garantiert Aiya Europe gleichbleibend hohe Matcha-Qualität?

Grömer: Aiya Europe steht seit über 135 Jahren für kompromisslose Qualität. Jede Produktcharge wird im eigenen Labor in Japan auf Aluminium, Pestizide und mikrobiologische Parameter geprüft. Strenge Kontrollen und Audits nach internationalen Standards sichern Aroma, Farbe und Frische. Bereits 2002 erhielt Aiya als erste Matcha-Firma eine internationale Bio-Zertifizierung und war auch der erste Anbieter mit Koscher-Zertifizierung. Heute ist das Unternehmen zudem IFS-Broker-zertifiziert sowie ausgewählte Produkte als halal. Die Kombination aus sorgfältiger Verarbeitung, konstanter Kühlkette und anerkannten Zertifikaten garantiert authentischen Matcha höchster Qualität.

PRODUKT: Woran erkenne ich einen guten Matcha?

Grömer: An erster Stelle steht die Farbe: Hochwertiger Matcha ist intensiv grün, da die Teepflanzen vor der Ernte gezielt beschattet werden, was die Bildung von Aminosäuren und Chlorophyll fördert. Auch die Textur ist entscheidend. Sie sollte sehr fein und pudrig sein, denn nur so lässt sich der Matcha gleichmäßig auflösen und entfaltet sein volles Aroma. Hinzu kommt das frische, leicht süßliche Umami-Geschmackserlebnis, das einen hochwertigen Matcha von einfachen Grünteepulvern unterscheidet.

PRODUKT: Glauben Sie denn, dass Matcha nur ein kurzfristiger Hype ist, der bald wieder vorbei ist?

Grömer: Ganz im Gegenteil: Matcha wird seinen Siegeszug außerhalb Japans erst noch antreten. Meine Vision ist, Matcha neben Kaffee, Tee und Kakao als vierte Säule zu etablieren. In Japan gehört Matcha zum Alltag, in Getränken, Gebäck, Eis oder Schokolade, auch große Marken setzen darauf. Für den europäischen Handel bedeutet das: Die Nachfrage wächst, nicht nur im Premium- und Nischenbereich, sondern langfristig auch im Mainstream. Die Zeichen für eine nachhaltige Entwicklung im LEH und in der Gastronomie stehen sehr gut.

PRODUKT: Sie werden auch der „Teepapst“ genannt, wie kam es zu dem Namen?

Grömer: Mit 18 entdeckte ich auf meiner ersten Japan-Reise hochwertigen Grüntee als ungesüßtes Alltagsgetränk. Es folgten Studien in Japanisch, Wirtschaft und Tee sowie Praxis auf Feldern und in Verkostungen: Anbau, Ernte, Klima- und Düngereinflüsse, Sorten, Kultivare, Regionen. Ich bin kein Teebauer, kenne jedoch jede Stufe der Wertschöpfung und weiß, worauf es sensorisch ankommt. Diese Kombination aus Expertise und Handelserfahrung brachte mir in meinem Umfeld den Spitznamen „Teepapst“ ein.

PRODUKT: Vielen Dank für die interessanten Einblicke.