Kakao aus Österreich, das wird trotz Klimawandels noch länger nichts werden, denn was diese Pflanze braucht, können wir in unseren Breiten nicht bieten. „Ein tropisches Klima mit Temperaturen zwischen 25 und 35°C sowie regelmäßige Niederschläge von etwa 100 bis 200mm pro Monat schaffen optimale Voraussetzungen für das Wachstum der Kakaopflanzen“, erklärt Florian Stahrl, Business Manager Confectionery, Nestlé Österreich. Und diese Voraussetzungen gibt es eben nur in bestimmten Ländern. „Kakao wächst zwischen 20° nördlich und südlich des Äquators“, weiß Wolfgang Stöhr, GF Ritter Sport Österreich. Dieser Streifen – auch Kakaogürtel genannt – umfasst Länder auf vier Kontinenten. Seine Ursprünge hat der Kakao in Mittel- bzw. Südamerika. Funde belegen, dass etwa in Ecuador bereits vor 5.000 Jahren Kakao konsumiert wurde. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann man auch in Afrika, Kakao zu kultivieren. Heute allerdings gilt Westafrika als Hotspot der Kakaoproduktion. „Sehr wichtige Länder sind Côte d’Ivoire und Ghana“, berichtet Fairtrade-GF Hartwig Kirner und ergänzt: „Von hier stammen zwei Drittel der gesamten Kakao-Ernte weltweit.“ (Anm.: Fairtrade und konventionell). „Aus Westafrika kommt vor allem Konsumkakao“, erläutert Ritter Sport-GF Wolfgang Stöhr, merkt aber gleich an: „Die Bezeichnung sagt nichts über dessen Qualität aus, sondern eher über die sensorischen Nuancen.“ Für viele bekannte Markenartikel wird Kakao aus Côte d’Ivoire verwendet, auch Nestlé bedient sich zu einem Großteil Kakaos dieser Herkunft. Dazu Florian Stahrl: „In Côte d’Ivoire werden hauptsächlich die Kakaoarten Criollo und Forastero angebaut, wobei Forastero die häufigste Sorte ist. Der hochwertige Kakao aus Côte d’Ivoire wird insbesondere für seine kräftigen Aromen geschätzt.“
WAS EDLES. Während also in Westafrika Menge gemacht wird, stammt sog. Edelkakao oft aus Lateinamerika, etwa aus Nicaragua oder Peru. Hier hat sich Ritter Sport bereits vor einigen Jahren eine eigene Kakaoplantage aufgebaut. „El Cacao“ liegt im Südosten Nicaraguas und wird in Mischkultur sowie nach den Prinzipien der integrierten Landwirtschaft betrieben. „Auf einer Farmfläche von 2.500ha bewirtschaften wir rund 1.200ha für den Kakaoanbau, die gleiche Fläche schützen wir als Regenwald und Feuchtgebiete. Die restlichen 100ha sind Infrastrukturflächen“, geht GF Wolfgang Stöhr ins Detail.
WOHER? Neben Afrika und Lateinamerika wird aber beispielsweise auch in Indonesien oder Papua-Neuguinea Kakao angebaut. Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe wird dabei immer wichtiger. So hört man etwa von Lindt: „Lindt & Sprüngli stellt seine Kakaomasse aus den Kakaobohnen selbst her (Anm.: ausgenommen die Marke „Russell Stover“). Das erlaubt uns, den Produktionsprozess von der Auswahl und der Beschaffung der Kakaobohnen über die Herstellung der Kakaomasse bis hin zum fertigen Produkt zu überblicken.“ Quasi von der Bohne bis zur Tafel bzw. ‚from bean to bar‘, wie der entsprechende Branchenterminus lautet. Auch für Nestlé ist Rückverfolgbarkeit essentiell und deshalb auch Teil des zum Cocoa Plan gehörenden Income Accelerators, der das Einkommen der Kakaobauernfamilien verbessen soll. Florian Stahrl: „Die Kakaobohnen aus dem Income Accelerator weisen die höchste Stufe der Rückverfolgbarkeit auf. D.h. wir können die Kakaobohnen für unsere Schokolade, die im Rahmen des Income Accelerator Programms produziert wurde, identifizieren und sicherstellen, dass sie nicht mit anderen Bohnen vermischt werden.“ Bei Ritter Sport hält man ebenfalls stolz fest: „Unser Kakao ist vollständig bis zur Erzeugerorganisation und 99% bis zur Farm rückverfolgbar“, so Wolfgang Stöhr. Manner setzt bekanntermaßen auf Fairtrade-Kakao und ebenfalls auf das Konzept „from bean to bar“.
WIE? In Sachen Kakao ist es aber nicht nur wichtig zu wissen, wo er herkommt, sondern auch, unter welchen Bedingungen er produziert wurde. Dass diese aufgrund der niedrigen Lebensstandards in den meisten Anbaugebieten nicht immer rosig sind, ist bekannt. Doch auch aus ihrem Engagement zur Verbesserung der Situation in den Ursprungsgebieten machen die Hersteller natürlich kein Geheimnis, schließlich möchte man Schokolade mit gutem Gewissen verkaufen und zugleich auch die Rohstoffmengen für morgen sicherstellen. „Nestlé bezieht 2025 bereits 88,9% seines verwendeten Kakaos aus nachhaltigen Quellen“, berichtet Florian Stahrl. Lena Berkemeyer, Senior Brand Managerin Sustainability DACH Mondelez International, berichtet: „Einer der Grundpfeiler im Bereich der nachhaltigeren Beschaffung von Zutaten ist unser globales Nachhaltigkeitsprogramm ‚Cocoa Life‘. Damit unterstützen wir seit 2012 nicht nur eine nachhaltigere Landnutzung der Kakaoanbaugebiete, sondern verbessern auch die Lebensbedingungen in den Anbaugemeinden. Mondelez International investiert 1 Mrd. US-Dollar im Zeitraum 2012 bis 2030, um die Beschaffung in den wichtigen Kakao produzierenden Ländern nachhaltiger zu gestalten.“ Bei Ritter Sport sind 100% des Kakaobezugs zertifiziert – nach Rainforest Alliance Cocoa bzw. Fairtrade-Kakaoprogramm. Wolfgang Stöhr: „In allen fünf Kakao-Ursprungsländern arbeiten wir darüber hinaus in insgesamt sieben Kakaoprogrammen. Das bedeutet, über die Zertifizierung hinaus arbeiten wir mit Partnern vor Ort gemeinsam daran, die sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedingungen der Kakaobäuer:innen zu verbessern – z.B. den Anbau durch Förderung der Mischkultur resilienter zu machen, Produktivität zu steigern oder alternative Einkommen zu generieren.“ Lindt wiederum möchte mit dem Lindt & Sprüngli Farming Program dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit der Kakaobäuer:innen sowie ihrer Familien zu stärken und nachhaltigere Anbaumethoden zu fördern. Gestartet wurde das Programm 2008 in Ghana, heuer wird es zusätzlich in Côte d’Ivoire, der Dominikanischen Republik, Ecuador, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Peru umgesetzt. Mars betreibt ebenfalls ein eigenes Programm für verantwortungsvoll bezogenen Kakao und will dadurch die Bedingungen in den Anbaugebieten positiv beeinflussen. Besagter „Income Accelerator“ von Nestlé soll den Landwirt:innen Schulungen zu besseren Anbaumethoden, Zugang zu hochwertigen Saatgutsorten und Unterstützung bei der Vermarktung ihrer Erzeugnisse bieten. Und auch Fairtrade ist die Verbesserung der Bedingungen im Kakaoanbaugebiet naturgemäß ein wichtiges Anliegen. „Zum Beispiel durch Sonderprogramme wie das West Africa Cocoa Programme“, so Fairtrade-GF Hartwig Kirner. „Im Zuge dessen werden vielfältige Schulungen angeboten und Expertise aufgebaut: zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit und Risikomanagement, der Förderung von Einkommensdiversifizierung und Ernährungssicherheit, aber auch Maßnahmen, um Frauen und junge Erwachsene stärker in die Unternehmensführung einzubinden.“
ACHTSAM. Aufgrund der klimatischen Anforderungen der Kakaopflanze bleibt deren Anbau weiterhin nur in ganz bestimmten Gebieten möglich. Gut, dass zunehmend nicht nur auf die geografische Herkunft, sondern auch auf die Verbesserung der Bedingungen vor Ort geachtet wird.

