Der Absatz von AF-Bier stieg 2024 um 8,4%, was einem Zuwachs um 24.000HL entspricht. Für den Inlands-Verbrauch wurden mehr als 31 Mio. Liter AF-Bier eingebraut. Gemäß den Daten des Brauereiverbandes sind das bereits 3,7% des Gesamtausstoßes. Befragt man die heimischen Brauereien zur Zielgruppendefinition, so sind das nicht mehr ausschließlich Autofahrer:innen oder Schwangere. Viel mehr hat sich der Konsument:innenkreis erweitert und umfasst mittlerweile auch junge Erwachsene, die sportlich aktiv sind, Wert auf gesunde Ernährung und einen ausgewogenen Lebensstil legen, ebenso Biertrinker:innen, die bewusst zwischendurch das Pendant wählen. Insofern hat ein Imagewechsel von „Verzicht“ hin zu „bewusster Entscheidung“ stattgefunden.
TEAM-NEWS. Für den LEH hat Del Fabro Kolarik die Marken „Clausthaler Original“ und „Budweiser Budvar Nealko“ im Programm. Auf die Performance angesprochen sagt Michael Kolarik-Leingartner, Leitung Exklusivmarken Del Fabro Kolarik: „Mit dem ,Budweiser Budvar Nealko‘ befinden wir uns gerade in der Einführungsphase, seit März 2025 ist die 0,33L-Mehrwegflasche bei Spar gelistet, und bei Billa und Billa Plus sind wir mit der 0,5L-Dose seit Ende Mai erstmal in den Regalen zu finden.“ Das „Clausthaler Original“ performt „im Ausmaß der Kategorie AF-Bier“, so Kolarik-Leingartner. Zur Zielgruppe und zum Trend meint er: „So wie der Absatz von AF-Bieren hat sich auch die Gruppe der Konsument:innen erweitert. Aus diesem Grund wird auch die Anzahl an entalkoholisierten Produkten zunehmen. Und: Der Energiegehalt dieser Produkte wird bedeutender werden.“
BREIT AUFGESTELLT. Getragen von der steigenden Nachfrage innerhalb der Kategorie erweitert die Brau Union Österreich ihr Sortiment an alkoholfreien Bieren stetig. Aktuell sind das „Gösser NaturGold Alkoholfrei“, „Heineken 0.0“, „Wieselburger 0,0“, „Puntigamer Pr0,0st“, „Schlossgold“, „Villacher Freilich 0.0“, „Fohrenburger Alkoholfrei“ sowie „Edelweiss Alkoholfrei“ – „Und in Zukunft auch ,Zipfer 0.0‘“, verrät Simon Steyrl, GF Lebensmittelhandel Brau Union Österreich, und führt weiter aus: „Den Marktdaten des Biermarktes im Lebensmittelhandel zufolge, die auf einer Zwölfmonatsbasis sowie im Vergleich der Jahre 2023 und 2024 basieren, ist bei alkoholfreien Bieren im Lebensmittelhandel insgesamt eine Steigerung von 9,5% zu verzeichnen. Diese positive Entwicklung der AF-Biere sehen wir auch bei unseren Produkten.“ (Nielsen KW 01/2024 – 52/2024 vs. VJ (nach Umsatz); Hinweise: Weizenbier AF u. AF-Radler zählen zur Sorte AF-Bier). Laut Steyrl betrug der Marktanteil von AF-Bier in Österreich etwa 4%: „Wir gehen davon aus, dass dieser Anteil mittelfristig auf etwa 10% steigen kann; ein Niveau, das in anderen Biermärkten bereits erreicht wurde.“
POSITIVE ERWARTUNG. In der Privatbrauerei Zwettl glaubt man an AF-Bier und rechnet damit, dass „diese Erfolgsgeschichte in den nächsten Jahren noch fortgeschrieben wird“, so Eigentümer Karl Schwarz. Dabei wirft er einen Blick über die Landesgrenzen: „In den Märkten mit vergleichbarem Konsumverhalten, etwa Tschechien oder Deutschland, liegt der Anteil an alkoholfreien Bieren bereits bei über 6% bzw. 7% am Gesamtausstoß.“ Langfristig erwartet Schwarz diese Zahlen auch für Österreich: „Daher“, so Schwarz, „liegt es auf der Hand, unser erfolgreiches AF-Bier-Sortiment noch weiter auszubauen.“ So bekommt das „Zwettler Luftikus“ im Hochsommer mit einer weiteren alkoholfreien Sorte Zuwachs.
PIONIERARBEIT. Für die Ottakringer Brauerei sind alkoholreduzierte und -freie Varianten ein wichtiges Thema. „Wir sehen das auch als Teil unserer Verantwortung“, sagt GF Markus Raunig und ergänzt: „Als einer der Pioniere im alkoholfreien Segment hat Ottakringer mit ,Null Komma Josef‘ den ersten alkoholfreien Bier-Akzent in Österreich gesetzt. Mit dem ,Zitrone-Minze Radler‘ haben wir ein weiteres alkoholfreies Bierprodukt ganzjährig in unserem Sortiment, das sich ab sofort auch in die ,Null Komma Josef‘-Range eingliedert.“ Zur Performance: „Unser Anteil vom ,Null Komma Josef‘ an der kompletten Ottakringer Bier-Range liegt auf dem Österreich-Niveau“, so der GF.
LIFESTYLE. Egger führt im Bereich der AF-Biere „Egger Zisch“ im Sortiment. Dazu Ralph Hofmann, COO Egger Getränke: „Auch wir sehen, dass es eine steigende Nachfrage nach alkoholfreien Bieren gibt; während der gesamte Branchentrend von klassischem Bier rückläufig ist, bewegt sich der Markt für alkoholfreie Biere nach oben.“ Er bezieht sich dabei auf Zahlen des Verbandes der Brauereien, die dem Markt ein 8,7%iges Mengenplus bescheinigen (Q1/2025, inkl. Gastronomie). Aufgrund des überdurchschnittlich hohen Wachstums sieht der Egger-COO, dass „Potential gegeben ist, auch wenn das Segment aktuell mengenmäßig noch nicht dominant ist“. Hofmann zum Status quo: „Alkoholfreies Bier spricht Menschen an, die Genuss, Gesundheit und Alltag gut vereinbaren wollen. Es ist kein Nischenprodukt mehr, sondern wird zunehmend als Lifestyle-Getränk wahrgenommen.“
LEISTUNGSTRÄGER. Im AF-Biersegment vertreibt AB InBev Österreich „Corona Cero“ und „Franziskaner Alkoholfrei“. „Mit diesen beiden Marken erreichen wir im alkoholfreien Biersegment aktuell einen Marktanteil von ca. 5,5% – das ist mehr als das Dreifache unseres Anteils am Gesamtbiermarkt. Dieser Erfolg unterstreicht die hohe Relevanz und Akzeptanz von AF-Bieren“, sagt Marco Stickel, National Key
Account Manager AB InBev Österreich. Chancen sieht Stickel in einer „lifestyle-orientierten Markenpositionierung“ sowie in einer weiteren „Enttabuisierung des Biers ohne Promille“.
NEUE KLARHEIT. Bei Stiegl hat man schon vor mehr als zehn Jahren auf den Trend der AF-Biere reagiert und ein alkoholfreies Bier auf den Markt gebracht. Dieses wurde in der Zwischenzeit weiterentwickelt und die Rezeptur optimiert. „Für Biertrinker:innen ist der Geschmack das entscheidende Kriterium. Um den Vorlieben unserer Kund:innen noch mehr zu entsprechen, präsentiert sich unser neues ‚Stiegl 0,0% alkoholfrei‘ jetzt nicht mehr naturtrüb, sondern als filtriertes, klares Bier“, erklärt dazu Stiegl-Chefbraumeister Christian Pöpperl.
MARKENENTWICKLUNG. Bei Mohrenbräu führt man aktuell noch kein alkoholfreies Bier, „wir beobachten den Markt aber sehr genau“, verrät Andreas Linder, Marketing & Strategie Mohrenbräu. Daher will man sich aktiv an der Entwicklung der Kategorie beteiligen: „Wir stehen mit spannenden Produkten in den Startlöchern und haben mit ,Mo’s‘ sogar eine eigene Marke geschaffen, die sich langfristig mit besonderem Fokus dem Thema ,alkoholfrei‘ widmen wird. Mehr dazu dürfen wir ab Juni verraten.“
BERECHTIGUNG. Alkoholfreie Biere sind gekommen, um zu bleiben – darüber ist sich die Branche einig. Die Gründe für den Konsum sind vielfältiger geworden und haben die Zielgruppe heterogener gemacht.