Betritt man den Blün-Standort in Wien Donaustadt (es werden regelmäßig Führungen angeboten), darf man sich keine romantische Landwirtschaft oder Fischzucht erwarten. Hier werden Lebensmittel mit biologischen und technischen Kreisläufen erzeugt, die effizient und ökologisch sinnvoll sind. Wels, verschiedene Sorten Tomaten, Mini-Gurken und Melanzani punkten mit einem Minimum an verbrauchten Ressourcen – und Top-Qualitäten. Der zukunftsweisende Betrieb ist der Risikobereitschaft und dem Engagement einer Gruppe Landwirte zu verdanken.
DIE IDEE. Einer von ihnen ist Michael Berlin, erfahrener Landwirt und heute Geschäftsführer sowie Gesellschafter des Start-Ups. „Als ich 2016 den Betrieb meiner Eltern übernahm, stellte ich mir die Frage, ,wo will ich hin?‘“, erzählt Berlin. Klar war ihm, dass er möglichst ohne fossile Rohstoffe auskommen und in der Region für die Region produzieren wollte. Gemeinsam mit Co-Gründer Stefan Bauer, ebenfalls Landwirt, und weiteren Fachmännern aus verwandten Bereichen, kam bald der Gedanke an eine Aquaponik-Anlage auf. Die Idee ist so simpel wie genial: Eine ressourcenschonende Indoor-Fischzucht wird mit Glashaus-Gemüse gekoppelt. Filter und Biofilter verwerten dabei das Abwasser der Fische, die Fischgülle, zu pflanzenverfügbaren Stickstoffverbindungen. Über Rohre gelangt das sorgfältig aufbereitete Wasser zu den Pflanzen im Gewächshaus. Somit wird jeder Tropfen Wasser zweimal verwendet – und Abfall (die Fischgülle) zu wertvollem Dünger.
FUNKTIONIERT. Nach Ausbildungen, Testläufen, Verkostungen und Investitionen läuft das „Werkel“ heute einwandfrei. Produziert werden rund 60 Tonnen Lebendfisch pro Jahr und rund 400t Gemüse – und Kapazitäten gäbe es noch genügend. Als Vertriebspartner der ersten Stunde bringt Gurkerl die „blün“-Produkte zu den Verbraucher:innen, eine nicht unwesentliche Menge wird außerdem im hauseigenen Hofladen sowie am Wiener Naschmarkt verkauft, und auch die Gastronomie ist ein verlässlicher Partner. Aktuell freut man sich außerdem über erste Listungen im stationären Handel. Berlin: „Unser Ziel ist es, hochwertige Lebensmittel möglichst regional, transparent und ressourceneffizient zu produzieren – mit kurzen Transportwegen, geringem Wasserverbrauch und einer Produktion direkt in Wien für Wien.“
PORTFOLIO. Neben frischem Wels und Gemüse findet man bei Blün übrigens auch verarbeitete Spezialitäten wie den „Wels Leberkäse“ (der am Naschmarkt z.B. warm in der Semmel verkauft wird), „Geräucherten Wels“ und ein „Wiener Fischgarum“ (ähnlich der asiatischen Fisch-Sauce) sowie Ketchup (hergestellt von der Wiener Delikatessen Manufaktur Frey).