Hraby: Früher war die milchsaure Vergärung die einzige Möglichkeit, Gemüse (z.B. Kraut) lagerfähig zu machen. Mit dem luftdichten Verschließen mit anschließender schonender Erhitzung konnte für die Wintermonate perfekt Gemüse lagerfähig gemacht werden. Da damals – anders als heute – Gemüse nur zur jeweiligen Saison verfügbar war, war diese Vorgangsweise für die vitaminarmen Wintermonate ein Segen. Durch die heutzutage lückenlose Versorgungsmöglichkeit mit Frischgemüse über das ganze Jahr hinweg, ist haltbar gemachtes Gemüse ein wenig ins Hintertreffen geraten. Die Corona-Krise hat aber gezeigt, dass ein gut gefüllter Vorratsschrank mit Haltbarem durchaus von Vorteil ist. Insofern ist diese Artikelkategorie wieder mehr in den Fokus der Konsumenten gerückt.
Hraby: Im Ackerbau z.B. ist Technisierung schon immer ein großes Thema gewesen. Im Gemüsebau bis vor einigen Jahren noch nicht so sehr, da genug Personal vorhanden war. Im personalintensiven Landbau ist die Notwendigkeit, Personal überhaupt zur Verfügung zu haben, das zentrale Thema der Zukunft, um diese Branchen nicht in Billiglohnländer (Türkei) abwandern zu lassen. Je mehr Technisierung in diesen Bereichen möglich wäre, umso mehr könnte der österreichische Anbau abgesichert werden. Am Sektor Rote Rüben und Kraut konnten in den letzten Jahren große Schritte umgesetzt werden. Bei Einlegegurken, Erdbeeren oder Salat gibt es zwar Versuche und Prototypen, diese sind allerdings noch weit von der Serienreife entfernt.
Hraby: Die eine Errungenschaft kann man so nicht nennen. Durch Erhitzung Produkte haltbar zu machen, ist im Grunde schon sehr lange gebräuchlich. Es ist eher die Summe an vielen, kleinen Optimierungsschritten, die die Produkte von heute qualitativ hochwertiger gemacht haben. So ist z.B. die Höhe der Temperatur und die Dauer der Erhitzung heute so optimal steuerbar, dass die Produkte einerseits ungekühlt haltbar sind, andererseits wesentlich weniger als früher an qualitativen Eigenschaften einbüßen.
Hraby: Kunststoff in der Lebensmittelverarbeitung ist Fluch und Segen. Einerseits ist die gesamte Versorgungskette ohne Kunststoff kaum vorstellbar. So sensible Produkte wie frischer Salat könnten in dem Convenience-Grad, wie sie derzeit vorliegen, nicht über den Lebensmittelhandel vertrieben werden. Es ging nun darum, diese Verpackungsart so zu optimieren, dass der CO2-Food Print möglichst gering gehalten wird. Das ist durch den Einsatz einer Folie, die zum Großteil aus Kiefernöl hergestellt wird, gelungen.
Hraby: Weil ohne technischen Fortschritt, ohne maximale Optimierung der Abläufe bis in die Regale des LEH es nicht denkbar wäre, solche Preisstellungen zu erreichen. Erst durch die Automatisierung in der Lebensmittelproduktion konnte erreicht werden, dass Lebensmittel so billig wurden. Oder auch zu billig wurden. In den 1950er-Jahren gaben die Österreicherinnen und Österreicher fast die Hälfte ihres Budgets für Lebensmittel aus. Heute betragen die Ausgaben für Ernährung und alkoholfreie Getränke etwa 12%, ohne Außer-Haus-Konsum. Laut den Zahlen von Eurostat sind es sogar nur 9,7%.