Markantes Jubiläum

Der Verband der österreichischen Markenartikelindustrie, kurz MAV, wird 100 Jahre alt. Die Aufgaben und Ziele haben sich in dieser beeindruckenden Zeitspanne kaum verändert: Nach wie vor stehe die Förderung der Marke als Garant für gleichbleibende Qualität und konstante Innovation im Zentrum, erzählt Günter Thumser, GF des MAV, im Interview.

Kategorie: Sonstiges

PRODUKT: Bitte geben Sie uns ein bisschen Geschichte-Unterricht: Was führte vor nun mehr als 100 Jahren zur Gründung des Markenartikelverbands?

Thumser: 1925 war wohl eine Zeit des Aufschwungs, der ersten Erholung nach den Wirren und Leiden des Ersten Weltkriegs. Viele Unternehmerpersönlichkeiten empfanden offensichtlich eine Notwendigkeit zusätzlich unterstützender Orientierungshilfe in der Transition von offen (Anm.: unverpackten), meist anonym verkauften „Commodities“ hin zu gestalteten, also „markierten“ Produktangeboten.

PRODUKT: Welche Ziele waren damals im Fokus?

Thumser: Es ist bemerkenswert, dass bereits vor 100 Jahren Hersteller von Produkten des täglichen Bedarfs den Wert ihrer Erzeugnisse für die Konsument:innen mit einer Marke garantieren wollten, dies zur Dokumentation einer gleichbleibenden Qualität und damit einer durch den Hersteller in seiner persönlichen Verantwortung garantierten Leistung.

PRODUKT: Die Welt hat sich in den letzten 100 Jahren stark verändert – welche Ziele sind heute im Zentrum des Markenartikelverbands?

Thumser: Das wesentliche Ziel unserer auf freiwilliger Mitgliedschaft basierenden Vereinigung ist und bleibt die Förderung der Marke. Der Markenartikel als Leuchtfeuer für Qualität und Innovation innerhalb einer großen Vielfalt an Gütern des täglichen Bedarfs steht im Zentrum unserer Aktivitäten.

PRODUKT: Die jährliche Kampagne des Markenartikelverbands ist wohl das sichtbarste Zeichen, das der MAV setzt. Was macht sie so einzigartig? Welche Wirkung hat sie auf die Verbraucher:innen bzw. haben Sie Fakten dazu, wie sie sich auf das Kaufverhalten auswirkt?

Thumser: Die Gemeinschaftskampagne der zueinander im freien Wettbewerb um die Gunst der Konsument:innen stehenden Marken ist tatsächlich einzigartig – in Europa jedenfalls, wohl damit auch weltweit. Im kommenden Jahr dann bereits das 30. Mal in ununterbrochener Abfolge! Die Kampagne erreicht immer wieder hohe Zustimmung – diesmal mit 45% im Durchschnitt – und sogar mit 53% sehr guter bis guter Gefälligkeit bei jenen Befragten, die eine Markenpräferenz haben. Überwiegend positiv bewertet werden dabei die übersichtliche Gestaltung und die breite Markenvielfalt. Weniger beworbene Marken können dadurch nachweislich ihre Awareness steigern. Bei der jährlich durchgeführten diesbezüglichen Marktforschung gibt auch stets ein Teil der Respondent:innen an, beim Einkauf dann bewusst eine der Marken aus der Kampagne gewählt zu haben.

PRODUKT: Hersteller- vs. Eigenmarken des Handels: Feind- oder Freundschaft?

Thumser: Nicht zuletzt durch die in Österreich inzwischen extreme Konzentration auf Seiten der Handelskonzerne – drei decken 85% der Haushaltseinkäufe ab – herrscht ein heftiger Wettbewerb um die Plätze im Regal. Die Markenartikler sind in ihrer Innovationskraft stets gefordert. Leider ist dies jedoch noch kein Erfolgsgarant, verlangen dominante Einkaufsorganisationen doch allzu oft, genau diese neuen Ideen, manchmal ausschließlich, als Eigenmarke geliefert zu bekommen. Speziell für nationale Hersteller oft eine perspektivisch sehr schwierige Situation.

PRODUKT: Handel vs. Industrie: Wie gut ist das Verhältnis zwischen Herstellern und Händlern im 100. Jahr des Bestehens des MAV?

Thumser: Beide Seiten sollten sich in ihrem Bemühen um die Konsument:innen stärker auf das Vermitteln einer fairen „Wert“-Schätzung der jeweiligen Güter und Dienstleistungen fokussieren. Dies wäre jedenfalls im gemeinsamen Interesse. Denn Hersteller wie Handel investieren beide hohe Summen, das Warenangebot wie auch das Einkaufserlebnis in unserem Land sind dadurch absolut spitze – mit der Reduktion auf den immer nur billigsten Preis entschlägt man sich sämtlicher anderer Werte, die im Übrigen auch zur Differenzierung im Wettbewerb im wahrsten Sinne „Wert“-voll sein können!

PRODUKT: Was wünscht sich der MAV, wenn er die 100 Kerzen auf der Geburtstagstorte ausbläst?

Thumser: Wir freuen uns auf die kommenden 100 Jahre, in denen wir uns weiterhin für den Erhalt einer breiten und bunten Wahlfreiheit unserer Konsument:innen in Österreich einsetzen werden – mit vielen neuen Produktideen, die die gesellschaftliche Entwicklung vorwegnehmen und begleiten.