Zusammengefasst: Dass in Österreich Milch, Käse, Joghurt etc. hergestellt, verkauft und verzehrt werden, ist relevant für den Tourismus, weil durch die Tierhaltung auf den Almen das typische österreichische Landschaftsbild erhalten wird, dient der Bodenverbesserung und sichert unsere Eigenversorgung mit Lebensmitteln. Allerdings: Die Zahl jener Menschen, die den harten Beruf der Landwirtin bzw. des Landwirten mit Milchkuhhaltung auf sich nehmen, geht zurück, und zwar recht deutlich. Von 2021 auf 2022 hörten 690 Milchbäuer:innen auf, 23.178 Höfe gibt es derzeit noch. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 40.000, 1996 sogar knapp 78.000 Landwirt:innen, die Milchkühe gehalten haben (statista.com). Zwar steigt parallel auch die durchschnittlich pro Hof erzeugte Milchmenge, nichtsdestotrotz gilt es dem „Bauernsterben“ natürlich entgegenzuwirken, will man die kleinstrukturierte österreichische Landwirtschaft mit all ihren Besonderheiten erhalten. Insofern bemühen sich auch die Molkereien um ein positives Bild des Berufsstandes in der Gesellschaft sowie um Argumente, die den Beruf der Milchbäuerin bzw. des Milchbauern weiterhin attraktiv machen, denn, so Doris Ploner, GF Die Käsemacher: „Die Konsument:innen verlangen nach immer günstigeren Produkten und es fehlt an der Wertschätzung für die Arbeit der Landwirt:innen an sich. Wir als Molkereibetrieb sind daher bemüht die Herkunft und die Wichtigkeit unserer Rohstoffe für unsere Produkte in unserer Kommunikation an Kund:innen in den Vordergrund zu rücken, um so die Aufmerksamkeit auf die Relevanz der Landwirtschaft im Bereich der Milchwirtschaft zu lenken.“ Bei Rupp schlägt man in dieselbe Kerbe: „Wertschätzung entlang der ganzen Lieferkette wird bei uns großgeschrieben, denn der Käse ist nur so gut wie Mensch, Tier und Senn zusammenarbeiten“, so Christof Abbrederis, Bereichsleiter Alma. Oft sind es aber auch ganz praktische, nur vordergründig selbstverständliche Maßnahmen, die den Landwirt:innen den Alltag erleichtern sollen: „Wir holen die Milch auf den Almen und Bergbauernhöfen direkt und frisch ab“, schildert Christian Kröll, GF Erlebnissennerei Zillertal und erläutert: „Somit kommen wir den Landwirt:innen ein großes Stück entgegen, damit sie ihrer täglichen Arbeit nachgehen können und nicht auf Sammelstellen fahren müssen.“ „Speziell ausgebildete Hofberater stehen unseren Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite. Darüber hinaus bieten wir durch unser hauseigenes Labor die Möglichkeit, zusätzliche Qualitätsuntersuchungen bei Bedarf jederzeit kostenlos durchzuführen“, berichtet Kärntnermilch-GF Helmut Petschar von „Goodies“ für die Kärntnermilch-Bäuer:innen. Die Berglandmilch wiederum belohnt Engagement, das über die Gesetzesstandards hinausgeht, mit einem Tierwohlbonus – den stolze 90% der Betriebe in Anspruch nehmen. Ebenfalls im Sinne des Tierwohls ist bei der SalzburgMilch (im Rahmen der seit 2017 laufenden Tiergesundheits-Initiative) eine Beratungs-Tierärztin im Einsatz. „Das ist nach wie vor ein Unikum in der heimischen Molkereilandschaft“, so GF Andreas Gasteiger. „Letztlich ist aber ein attraktiver Milchpreis die wichtigste Maßnahme, um das Überleben der bäuerlichen Betriebe zu sichern“, konstatiert Gasteiger. Dieser ist allerdings zuletzt wieder gefallen. Lt. AMA betrug der durchschnittlich ausgezahlte Milchpreis im August rund 48 Cent/kg, nachdem die heimischen Molkereien ihre Auszahlungspreise (folgend auf kostenbedingt überdurchschnittlich hohe Auszahlungspreise 2022) weiter gesenkt haben. Der durchschnittliche EU-Erzeugermilchpreis belief sich übrigens laut Schätzungen zuletzt auf rund 44 Cent.