Nachhaltigkeit als Richtschnur

Die Bäckerei Haubis, einer der wichtigsten Brot- und Gebäcklieferanten des Handels, hat bereits im vergangenen Jahr, und damit frühzeitig, einen Nachhaltigkeitsbericht präsentiert. Wir haben GF Anton Haubenberger zum Gespräch gebeten.

Kategorie: Food

PRODUKT: Sie haben bereits letztes Jahr, also früher als verpflichtend vorgesehen, einen ersten Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt. Warum? Und was waren Ihre Learnings bei der Erstellung?

Haubenberger: Nachhaltigkeit ist Organisationsentwicklung. Nachhaltigkeit betrifft alle Bereiche. Vom Einkauf über Produktion und Logistik bis zur Personalentwicklung – jeder Bereich trägt bei. Es hat in der Firma das Denken wesentlich verändert: Als Familienunternehmen denken wir in Generationen, nicht in Quartalen. Viele Maßnahmen – von regionaler Beschaffung über Energieeffizienz bis zur CO₂-Reduktion – waren bereits umgesetzt. Der Bericht hat uns geholfen, diese Leistungen messbar zu machen und strategisch weiterzuentwickeln. Unser wichtigstes Learning daraus: Es ist ein Steuerungsinstrument für die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens.

PRODUKT: Nachhaltigkeit beschränkt sich nicht auf den CO2-Fußabdruck, sondern schließt auch soziale und ökonomische Aspekte mit ein. Was bedeutet das für Haubis?

Haubenberger: CO₂ ist ein Indikator – aber keine ganzheitliche Strategie. Gerade in unserer Branche reicht es nicht, Emissionen zu messen. Wir tragen Verantwortung für regionale Wertschöpfung, Ernährungssicherheit, Qualität und stabile Arbeitsplätze. Nachhaltigkeit bedeutet für uns deshalb: langfristig denken, systemisch handeln und nicht einem einzelnen Kennwert hinterherlaufen.

PRODUKT: Was sind wesentliche Kriterien in Sachen ökologischer Nachhaltigkeit bei Bäckerei-Betrieben wie dem Ihren?

Haubenberger: Der ökologische Fußabdruck beginnt nicht erst in der Backstube, sondern am Feld. Entscheidend sind die Herkunft der Rohstoffe, regionale Wege, eine verantwortungsvolle Anbauweise sowie transparente und nachvollziehbare Lieferketten. Ebenso wichtig sind langfristige Partnerschaften mit landwirtschaftlichen Betrieben und Lieferanten. In der Produktion sind vor allem Backöfen, Kühlung und Logistik energieintensive Bereiche. Hier zählt jede Effizienzsteigerung.Und ganz klar: Das ökologisch schlechteste Produkt ist jenes, das hergestellt, aber nicht gegessen wird. Deshalb ist auch der bewusste Umgang mit Lebensmitteln ein wichtiger Teil der Nachhaltigkeit.

PRODUKT: Kann Tiefkühlen und frisch Backen nachhaltiger sein als bereits gebackenes Brot anzuliefern?

Haubenberger: Ob tiefgekühlte vorgegarte Teiglinge, die in den Filialen frisch gebacken werden, nachhaltiger sind als fertig gebackenes Brot aus einer zentralen Backstube, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist immer das gesamte System dahinter. Beim Tiefkühlkonzept entsteht zusätzlicher Energiebedarf für das Schockfrosten. Gleichzeitig bietet dieses Modell Flexibilität, weil nur so viel gebacken wird, wie tatsächlich verkauft wird. Das kann helfen, Lebensmittelverluste zu reduzieren. Schließlich belastet das Brot, das entsorgt werden muss, die Umwelt am meisten – ganz unabhängig davon, ob es tiefgekühlt oder frisch geliefert wurde. Unser Anspruch ist es, das gesamte System nachhaltig zu gestalten – vom Feld bis zum Kunden. Nicht die einzelne Methode entscheidet über Nachhaltigkeit, sondern wie konsequent alle Schritte gemeinsam gedacht und umgesetzt werden.

PRODUKT: Rund die Hälfte Ihres Sortiments ist Bio-zertifiziert. Ist Bio-Brot nachhaltiger? Und wie entwickelt sich dieses Segment?

Haubenberger: Auch das lässt sich nicht pauschal beantworten. Durch regionale Herkunft, effiziente Produktion, kurze Lieferketten und langfristige Partnerschaften können auch konventionelle Produkte sehr nachhaltig sein. Unser Zugang ist daher nicht „Bio gegen konventionell“, sondern Qualität und Verantwortung in beiden Bereichen konsequent umzusetzen. Bio ist ein wichtiger Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie – aber entscheidend ist immer das Gesamtsystem. Wir sehen eine stabile und langfristig wachsende Bio-Nachfrage. Es gibt Phasen, in denen Konsument:innen preisbewusster reagieren, aber insgesamt bleibt Bio für viele Menschen ein bewusst gewähltes Qualitäts- und Werteversprechen. Entsprechend entwickelt sich auch der Umsatz solide – nicht sprunghaft, sondern kontinuierlich.

PRODUKT: Liegt Ihnen darüber hinaus in Sachen Nachhaltigkeit noch ein Aspekt besonders am Herzen?

Haubenberger: Nachhaltigkeit bedeutet für uns, Entscheidungen so zu treffen, dass sie ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich verantwortungsvoll sind. Es geht nicht um kurzfristige Effekte oder einzelne Maßnahmen, sondern um ein stabiles, durchdachtes Gesamtsystem. Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern Teil unserer Haltung und unserer Unternehmenskultur.