Auf ein Wiedersehen

Nachhaltig verpackt

© Andrej Sevkovskij/shutterstock

Kunststoffverpackungen geraten zunehmend unter Druck, dient doch Erdöl als Rohstoffbasis. Bilder von schwimmenden Plastikinseln im Meer tun ihr übriges. EU und Konsumenten rufen immer lauter nach besser recyclebaren Lösungen und nachhaltigeren Kunststoffen.

In einer im April 2018 hierzulande durchgeführten Umfrage (Online Panel, Mindtake Research) gaben 28% der Teilnehmer an, Produkte manchmal nur aufgrund der schönen Verpackung zu kaufen. Befragt nach dem Material, versucht die Hälfte der Befragten Plastikverpackungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Kein Wunder, hat dessen Beliebtheit nicht zuletzt wegen medienwirksamen Bildern von im Meer schwimmenden Plastikinseln enorm gelitten. Auf Markenartikel-Hersteller und auf die Verpackungsbranche kommen daher große Änderungen zu. Eins drauf gibt noch die EU-Kunststoffstrategie, laut der 2030 u.a. alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recyclingfähig sein sollen. Zudem wird der Verbrauch von Einwegkunststoffen sowie der Einsatz von Mikroplastik beschränkt.

Holz und mehr.

Nachhaltig verpackt
Signature Pack von Sig

Hier eine klare Entscheidung gegen Plastik und für Nachhaltigkeit getroffen haben SIG und Arla Foods (D). Bei der „Arla Bio Weidemilch“ etwa kommt erstmals der „Signature Pack“ von SIG zum Einsatz. Dahinter steckt eine aseptische Kartonpackung mit 100%igem Bezug zu pflanzenbasierten nachwachsenden Rohstoffen. Der besteht zu 77% aus Karton (FSC zertifiziertes Holz) und zu 23% aus pflanzenbasierten Polymeren. Die Verpackungen sind darüber hinaus aluminiumfrei bei gleichbleibender Produktqualität. Die CO2-Bilanz ist 72% geringer als bei einer formatgleichen Standard-Kartonpackung von SIG, was dem Unternehmen eine unabhängig durchgeführte Ökobilanzstudie bestätigte.

Barriere.

Nachhaltig verpackt
„Signature Pack“ von SIG

Dass Nachhaltigkeit für Verbraucher ein großes Thema bei der Kaufentscheidung ist, bestätigt Horst Bittermann (Marketingleiter Mayr Melnhof Karton). Jedoch nicht nur im Sinne nachwachsender Rohstoffe, auch der Produktschutz ist von Bedeutung, um Lebensmittelverderb vorzubeugen. Das Unternehmen selbst bietet mit „Foodboard“ einen Recyclingkarton, der dank seines Barrierekonzepts Lebensmittel vor dem Übergang definierter Substanzen wie Mineralöle schützt. Neu ist zudem „MMK digital“, ein digitaler Verkaufs- und Service-Kanal, mit dem man alle Geschäftsprozesse mit MM Karton in Sekundenschnelle selbst durchführen kann, von der Auswahl der Kartonqualität über die Bestellung bis zum Abruf ab Lager.

Quality landscapes.

Nachhaltig verpackt
shoppingworld by Mondi

Im Mai ließ Mondi mit der neuen Dachmarke „shoppingworld by Mondi“ aufhorchen. Ein spezielles Papierangebot für Einkaufstaschen im Lebensmittel- und Nonfood-Bereich umfasst neben den Frischfaser-Papieren nun auch recycelte Varianten. Zudem hat Mondi jeder Papiersorte anschauliche Diagramme („Quality Landscapes“) über deren technische Eigenschaften zugeordnet, um den Auswahlprozess für Hersteller von Einkaufstaschen und Markenunternehmen zu vereinfachen. 

Leucht-Karton.

Nachhaltig verpackt
Elbphilharmonie: Verpackung und Leuchte

Nachhaltigkeit neu interpretiert hat die Sti Group gemeinsam mit der Papack & Goerner Group. Hamburgs Elbphilharmonie gibt es nun in Miniaturform. Eine transluzente Kunststoffhaube ist dem geschwungenen Dach des Gebäudes nachempfunden. Nimmt man sie ab, präsentiert sich der Inhalt, etwa eine Bierneuheit der Störtebeker Braumanufaktur, sicher geschützt in einem Faserguss-Inlay. Der Clou sind jedoch kleine LED-Leuchten. Für Andrea Wildies (GF Sti Group) wird damit die Verpackung wahrhaft nachhaltig: „Sie ist ein kleines Kunstwerk und kommt erst richtig zur Geltung, wenn der Inhalt bereits genossen ist und eine klassische Um-Verpackung ausgedient hätte.“ Einmal geleert, kann sie als originelles Leuchtmittel daheim aufgestellt werden.

Trendwende.

Nachhaltig verpackt
Spirituosenflaschenlinie „Cuba“ (Müller Glas)

Nicht nur Papier oder Karton, freilich ist auch Glas eine Alternative zu Plastik. Laut Müller Glas steigt der Glasverpackungs-Anteil im LEH wieder. Im Fokus der Markenartikelhersteller ist hier die Unverwechselbarkeit der Verpackungen, schildert GF Andreas Dornhackl. Ebenso gefragt sind Komplettlösungen: „Abfüller verlangen nach einer funktionierenden Ausstattung rund um die Glasverpackung. So kommt beispielsweise unsere Spirituosenflaschenserie ‚Cuba‘ in fünf Füllgrößen ergänzt um eine spezielle schwarz-mattierte Edition sowie eine breite Range an Verschlüssen, Umverpackungen und Veredelungsvarianten daher“, so Dornhackl.

Revival.

Nachhaltig verpackt
Milchflaschen und -gläser von Vetropack Austria

Für Vetropack Austria ist das Jahr 2017 sehr gut gelaufen. Das Unternehmen erwirtschaftete einen Umsatz von 177,1 Mio. € (+3% zu 2016.) und einen Absatz von 1.631 Mio. Stück (+6%). 2018 ließ sich durch das Comeback der Milchflaschen ebenfalls gut an. Seit April gibt es Berglandmilch-Produkte in appetitlichen weißen Glasflaschen und Joghurtgläsern, hergestellt von Vetropack. Berglandmilch möchte den Konsumenten die Wahlfreiheit über die Verpackung geben und reagiert damit auf die vermehrte Nachfrage nach Glas. Zudem eignet sich dieser Werkstoff besonders gut für die Verpackung von Lebensmitteln, da sie keine Verbindung mit dem Inhalt eingehen.

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