Immer im Fluss

© Yurchenko Iryna/shutterstoc

Das Jahr 1999 war nicht nur für PRODUKT ein ganz besonderes, sondern markiert auch für die Mineralwasserbrunnen des Landes einen Zeitraum tiefgreifender Veränderungen.

Gleich in der ersten Ausgabe von PRODUKT stand das Thema Mineralwasser im Fokus der Berichterstattung: „Der Sommer 98 war für Österreichs Mineralwasserabfüller der beste seit dem Rekorddurst des Jahres 1994. Und der Beginn eines Wandels am Gebindesektor, der irreversibel ist: Glas als klassische Verpackung wird schon zur Jahreswende von PET eingeholt werden“, war damals in PRODUKT zu lesen. In der Branche rätselte man zu dieser Zeit, wie der Gesetzgeber (der bei Flaschen eine Obergrenze des Einweganteils von 8% vorschrieb) darauf reagieren würde, dass die meisten Mineralwasser-Marken in Einweganlagen investiert hatten. Ausnahme war die „Römerquelle“, die noch für einige Zeit daran festhielt, dass ihre Zielsetzung absolut mehrwegorientiert sei und demzufolge ihre Mehrweg-PET-Flasche forcierte. Und auch wenn das Gros der Hersteller mit einem Aufstieg der Einweg-Flaschen rechnete, war die Wucht des Siegeszugs, den die Einweg-PET-Gebinde schließlich antraten, dann doch für die meisten Player überraschend.

Unterwegs.

Vöslauer war der erste Anbieter, der – übrigens bereits im Jahr 1996 – auf Einweg-PET setzte. Und dies brachte, wie in einem Artikel in PRODUKT 3/99 zu lesen war, „dem violetten Wasserlabel einen kräftigen Schub und öffnete die Schleusen Richtung Westen“, nachdem die Brand davor einen recht deutlichen Schwerpunkt in Wien und Niederösterreich hatte. Mit der Etablierung der PET-Flaschen war aber auch ein Wandel in Sachen Trinkgewohnheiten zu spüren. „Die leichte und bruchsichere Flasche, besonders in Größen von 0,5L und 0,75L ermöglichte ein einfaches Mitnehmen und ‚immer dabei haben‘“, schildert Vöslauer-GF Birgit Aichinger. Und auch Monika Fiala, GF der Waldquelle, bestätigt: „Gerade auch kleinere Verpackungseinheiten wie die 0,5L-PET-Flasche haben für den Konsum unterwegs an Bedeutung gewonnen.“ Und so durch zusätzliche Durstlösch-Momente dem Geschäft insgesamt sicher gutgetan.

Geschmack.

Prägend für den Mineralwasser-Markt war aber auch eine geschmackliche Neuerung: „Die Etablierung des Nearwater-Segments zählt zu den bedeutendsten Entwicklungen im Mineralwassermarkt“, berichtet Herbert Bauer, Sales Director Coca-Cola HBC Österreich, in deren Portfolio auch die „Römerquelle“ beheimatet ist. Zaneta Göllner, Senior Brand Manager Römerquelle, schildert Details: „‚Römerquelle‘ mit einem Hauch von Geschmack begeisterte bereits 1992 die Österreicherinnen und Österreicher. ‚Römerquelle lemon‘ und ‚Römerquelle orange‘ legten die Basis für das in den darauffolgenden Jahren boomende Nearwater-Segment.“ In der Ausgabe 5 des Jahres 2000 berichteten wir in PRODUKT dann über die Einführung von „Vöslauer Balance“ (Produktvorstellung nachzulesen mittels Produkt-Suchmaschine auf www.produkt.at) als „völlig eigenständiges Getränk mit internationaler Alleinstellung“ und einem „kräftigen Wellness-Appeal“. Im Jahr darauf (Ausgabe 4/01) war dann von „Römerquelle Emotion“ als „Start einer neuen Generation von Functional Drinks der Römerquelle“ zu lesen. Die ersten Sorten: „Apfelessig/Holunder“ und „Guarana“. Die Waldquelle machte mit „Flywell“ im Jahr 2003 ihre ersten Gehversuche im Nearwater-Bereich und entwickelte – reich an Erfahrungen nach dem ausbleibenden Erfolg – die Linie „Waldquelle Frucht“, die sich seit 2011 bewährt hat und derzeit acht Sorten umfasst. Im Hause Starzinger antwortete man auf den Wellness-Trend mit der Einführung der Linie „Frankenmarkter mit Vitaminen“ (2003) sowie mit dem „Frankenmarkter Mineral-Zitrone“ (2012). Und auch Jutta Mittermair, als Head of Corporate Communications bei Spitz für Gasteiner zuständig, bestätigt, dass das Aufkommen und der Erfolg des Nearwater-Segments ein echter Meilenstein war und rechnet auch weiterhin mit einer positiven Entwicklung, wie man wohl am Launch von „Gasteiner Lemon“ (2018) ablesen kann.

Back to the roots.

Zuletzt – und hier schließt sich der Kreis fast schon wieder – lieferten die Player des Mineralwasser-Marktes aber wieder vorrangig mit Packaging-Neuerungen Impulse. Bei allen Vorteilen, die PET den Herstellern, dem Handel und den Verbrauchern bietet, haben sich einige Hersteller dann doch auch wieder des Packstoffes Glas besonnen und bescherten dem Mehrweg-Gebinde ein echtes Revival. Vöslauer offeriert sein Wasser seit 2014 wieder – auch – in der 1L-Glasmehrwegflasche und entwickelte für deren leichten Transport eine 8x1L-Splitkiste für größtmöglichen Tragekomfort. Gasteiner brachte Ende letzten Jahres seine zuvor nur in der Gastronomie erhältliche Design-Glasflasche in den Handel. Und auch die meisten anderen Hersteller betonen, dass sich ihre Glasflaschen seit geraumer Zeit wieder einer verstärkten Nachfrage erfreuen. Was wohl vor allem dem Nachhaltigkeitstrend und der Diskussion rund um die Probleme mit Plastik geschuldet ist, die das Einkaufsverhalten der ÖsterreicherInnen doch recht deutlich beeinflussen.

Kreislauf.

Aber nachdem PET eben auch eine ganze Reihe an Vorteilen hat und die ÖsterreicherInnen überdies wirklich brave Sammler sind und somit zu dessen Wiederverwertbarkeit beitragen, hat auch dieses Material Zukunft. Insbesondere, da sich die Hersteller um weitere Upgrades in Sachen Umweltverträglichkeit bemühen. „Seit dem Vorjahr ist eine neue kompaktere ‚Römerquelle‘-PET-Flasche auf dem Markt, die bis zu 3,3g pro Gebinde leichter ist. 2019 setzen wir weitere Maßnahmen in diesem Bereich“, schildert etwa Herbert Bauer, Sales Director Coca-Cola HBC Österreich. Vöslauer arbeitet ebenfalls auf Hochtouren im Bereich nachhaltigere Flaschen und dreht ordentlich an der Recyclat-Schraube. Die Quote an sog. „rePET“, also wiederverwertetem Kunststoff, liegt im „Vöslauer“-Sortiment aktuell durchschnittlich bei 70%, die 0,5L-„ohne“-Flasche konnte bereits auf 100% rePET umgestellt werden. Bis 2025 hat man sich dies für alle PET-Flaschen vorgenommen.

Marken.

Was die einzelnen Brands und ihre Positionierung angeht, so beweisen diese großteils Kontinuität, bemühen sich aber zugleich, ihre Markenkommunikation am Puls der Zeit zu halten. „Bereits seit 1970 wurden die Kernpositionen von ‚Römerquelle‘ ermittelt, die heute noch ihre Gültigkeit haben“, erläutert Senior Brand Manager Zaneta Gollner und führt aus: „Vitalität, Erotik, Kulinarik – ausgedrückt im bekannten Slogan ‚Römerquelle belebt die Sinne‘. Diese Botschaft wurde aber stets dem Zeitgeist entsprechend interpretiert, auch das Logo hat 2015 einen großen Relaunch erfahren.“ In eine etwas andere Richtung zielt die Waldquelle ab, wie Geschäftsführerin Monika Fiala erzählt: „,Waldquelle‘ war schon immer das Mineralwasser für die ganze Familie und auch in den letzten Jahren haben wir kontinuierlich die Positionierung als ‚Familienmineralwasser Nr. 1 in Österreich‘ gefestigt.“ Das „Waldquelle“-Logo wurde dabei immer wieder leicht modernisiert. Auch das „Gasteiner“-Logo hat sich über die Jahre sanft weiterentwickelt. „Unsere Kernpositionierung ist jedoch die gleiche geblieben“, so Jutta Mittermair. Neben der Herkunft aus dem Nationalpark Hohe Tauern will man in der Kommunikation künftig das Thema Nachhaltigkeit noch stärker betonen. Und auch bei Starzinger war in den vergangenen Jahren vieles im Fluss und der Auftritt der Mineralwassermarken des Hauses („Juvina“, „Frankenmarkter“, „Long Life“) wurde immer wieder adaptiert.

Ausblick?

Von Glas zu PET und wieder retour, der Konsumentenwunsch nach größtmöglicher Convenience vs. dem Bedürfnis, das Bestmögliche für die Umwelt zu tun – an den langfristigen Entwicklungen des Mineralwassermarktes lässt sich auch über unsere Gesellschaft einiges ablesen. Auch, dass man in Wahrheit nie weiß, wie die Zukunft in 20 Jahren ausschauen wird. Und das macht´s irgendwie richtig spannend.