PRODUKT: Herr Veit, wie ist die Stimmung im heimischen Tourismus?
Veit: Die Stimmung im österreichischen Tourismus ist verhalten – auf der einen Seite von der über weite Strecken guten bis sehr guten Nachfrage bestimmt, und auf der anderen Seite von drückenden Kosten. Die ÖHV erhebt gemeinsam mit Deloitte in einer für die Qualitätshotellerie repräsentativen Branchenbefragung jährlich einen Tourismusindex. 2026 liegt der bei 3,2 Punkten nach dem Schulnotensystem – im Vergleich zum Vorjahr (3,0) sogar eine leichte Verschlechterung. Fast jeder zweite Betrieb (45%) erwartet für die kommenden zwölf Monate sogar eine weitere Eintrübung der Lage.
PRODUKT: Wie wird die wirtschaftliche Lage eingeschätzt?
Veit: Die wirtschaftliche Lage wird von den Tourismusbetrieben mit einer Note von 2,8 für die aktuelle Situation und 3,2 für die Vorausschau bewertet. Der Anteil der Betriebe, die über eine Verschlechterung in den letzten zwölf Monaten berichten, überwiegt deutlich. Besonders belastend sind die Kostensituation insgesamt (4,3) und die Steuer- und Abgabenlast (4,2). Bei jedem zweiten Betrieb hat sich der Gewinn in den vergangenen drei Jahren schwächer entwickelt als der Umsatz – eine problematische Schieflage.
PRODUKT: Wie weit stimmt das mit den realen Fakten überein?
Veit: Die Einschätzung stimmt durchaus mit den Fakten überein: Trotz steigender Nächtigungszahlen bleibt deutlich weniger Gewinn. Zusätzliche Unsicherheit bringt der Konflikt im Nahen Osten, aufgrund der Nachwirkungen auf den Ölpreis und die Kostensituation erwarten neun von zehn Betrieben weitere Kostensteigerungen.
PRODUKT: Wie ist Ihre Prognose für die heurige Sommersaison?
Veit: Durchwachsen! Das beginnt schon mit der Fußball-WM, bei der die Deutschen deutlich weniger verreisen, wir spüren das jedes Mal. Aber im Großen und Ganzen ist die Reiselust ja da und ein echter Hoffnungsschimmer. Aber in unseren Hauptmärkten Deutschland und Österreich wie auch im Business-Segment halten sich die Gäste mit den Ausgaben zurück. 63% der Betriebe berichten von rückläufigen Nebenausgaben der Gäste insb. in der Gastronomie, bei Wellnessangeboten und Upgrades. Die Konjunkturflaute und der Nahostkonflikt hinterlassen erkennbar Spuren. Volle Betten reichen längst nicht mehr, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
PRODUKT: Werfen Sie bitte einen Blick in die Zukunft.
Veit: Mittelfristig setzen wir Hoffnung in die „Vision T“ mit ihren messbaren Zielen, der Steigerung der Wertschöpfung und den internationalen Reiseverkehrseinnahmen sowie der Eigenkapitalquote und der Auslastung in der Nebensaison. Es braucht da aber jedenfalls konkrete Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen – und zwar rasch. Beim Doppelbudget konnten Bedrohungen wie eine Erbschafts- und Vermögenssteuer, höhere Belastungen durch höhere Arbeitslosenbeiträge oder Kürzungen für ÖW und ÖHT vermieden werden – und das ist als echter Erfolg für die Branche zu bewerten, wobei die Nicht-Valorisierung bis zum Ende der Legislaturperiode natürlich zu realen Verlusten führt. Die Budgetsituation lässt jedoch wenig Hoffnung für Entlastungen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt also in der Optimierung der Kostenstruktur und mehr Effizienz in internen Prozessen. Da sind wir sehr gefordert.
PRODUKT: Herr Veit, vielen Dank für Ihre Einschätzungen.