Neben dem menschlichen Leid, das dieser Krieg mit sich bringt, verschärfen sich dadurch aber auch kommerzielle Herausforderungen. Die Situation auf den Beschaffungs- und Logistikmärkten war schon aufgrund der Pandemie extrem herausfordernd und volatil. Nun erlebt die Branche, wie viele andere auch, einen starken Anstieg der Kosten für Rohwaren, im schlimmsten Fall sogar Nicht-Verfügbarkeit. Sonnenblumenöl ist ein prominentes Beispiel. Die Situation hat sich also noch einmal deutlich verschärft. Die Preissteigerungen treffen uns sehr hart, vor allem bei Dienstleistungen wie Transport. Unser Schwerpunkt liegt nun klarerweise darauf sicherzustellen, dass trotz der vielen Einschränkungen die benötigten Rohstoffe zu den Werken gelangen, um die Wahrscheinlichkeit von Liefereinschränkungen zu verringern. Zudem unternehmen wir große Anstrengungen, die eigenen Kosten maximal zu reduzieren, ohne Kompromisse bei der Qualität unserer Produkte einzugehen. Investitionen in Innovationen, Marketing und Upskilling unserer Mitarbeitenden sind unerlässlich, da uns dies als großen Markenartikler auszeichnet. Wir sehen aber, dass dies nicht ausreicht. Pläne, wie wir diese gestiegenen Kosten weitergeben können und Konsument:innen gleichzeitig einen Mehrwert liefern können, sind daher unabdingbar.
Die Situation wird sich durch die aktuelle Lage in der Ukraine mit Sicherheit noch weiter dramatisch verschärfen. Sollte die Ernte in der „Kornkammer Europas“ im heurigen Jahr gefährdet sein, wird dies weitere nicht abschätzbare Auswirkungen haben. Dazu kommt noch die enorme Steigerung der Energiekosten. Alles mit massiven Auswirkungen auf die Produktionskosten.
Die Lage ist daher sehr volatil und nicht planbar und wird mehrstufig Preisanpassungen notwendig machen. Wir setzen aber auf die langjährige kooperative Zusammenarbeit mit unseren Handelspartnern und gehen davon aus, dass die Aufrechterhaltung der Wertschöpfungskette sichergestellt werden kann.

Der Kaffeeanbau ist besonders von der Klimakrise betroffen – Prognosen gehen davon aus, dass bis zu 50% der Fläche in den nächsten Jahrzehnten wegen des Klimawandels verschwinden werden. Entwicklungen, die in der Vergangenheit in Gang gesetzt wurden, lassen sich nicht mehr aufhalten, aber man kann in Anpassungsmaßnahmen wie der Züchtung widerstandsfähiger Pflanzensorten investieren – und das kostet Geld. Fairtrade fordert daher schon seit Jahren stabile Preise und faire Produktionsbedingungen. Diese ermöglichen den Bauernkooperativen, gemeinsam die Klimakrise zu bestehen.

Die langfristigen Auswirkungen dieses sinnlosen Krieges kann man aktuell noch schwer einschätzen, derart instabile Verhältnisse in Europa – noch dazu nach 2 Jahren Pandemie und einer seit Jahrzehnten nicht dagewesenen Inflation – werden sich aber sicher nicht positiv auf die Wirtschaft auswirken.
Österreich ist auf Importe angewiesen, weil nicht alle Rohstoffe immer und in gleichbleibender Qualität verfügbar sind. Diversifizierung der Lieferanten und Herkünfte waren schon immer notwendig und sind es nun noch mehr. Als versorgungs- und systemrelevante Branche fordert die Lebensmittelindustrie Fairness entlang der gesamten Wertschöpfungskette, Sicherheit bei der Gasversorgung und keine Zusatzbelastungen durch Alleingänge bei der Herkunftskennzeichnung. Nur ein starker Binnenmarkt mit gleichen Regeln schafft fairen Wettbewerb und sichert heimische Arbeitsplätze.