Wo die Reise hingeht?

Neue Herausforderungen durch den Klimawandel, Inflation und der Trend zu weniger Alkoholkonsum – die Weinwirtschaft hat es, nicht nur in Österreich, nicht einfach. Ein kurzer Streifzug durch die Herausforderungen und potentiellen Nischen.

Kategorie: Food

Es wird weniger Wein produziert und getrunken – das ist nicht nur in Österreich in den Statistiken zu erkennen, sondern auch weltweit zu beobachten. Die internationale Organisation für Rebe und Wein (IOV) hält fest, dass die Gesamtproduktion im Jahr 2024 auf 225,8 Millionen Hektoliter sank. Das ist der niedrigste Stand seit über 60 Jahren und entspricht einem Rückgang von 4,8% gegenüber dem Vorjahr. Auch der Weinkonsum, so die IOV, entwickelte sich abermals rückläufig: Im Jahr 2024 wird der globale Weinkonsum auf 214,2 Millionen Hektoliter geschätzt, ein Rückgang von 3,3% gegenüber dem bereits niedrigen Niveau von 2023.

BEI UNS. Doch zurück nach Österreich, wo man mit dem aktuellen Jahrgang überaus zufrieden ist. Nach einer extrem kleinen Ernte 2024 (1,87 Mio. Hektoliter) geht man für 2025 von einer guten Durchschnittsmenge von rund 2,5 Mio. Hektolitern aus. Dennoch, auch in Österreich geht der Weinkonsum tendenziell weiter zurück. Laut Versorgungsbilanz der Statistik Austria wurden im Bilanzjahr 2023/24 2,3 Mio. HL konsumiert, was einem Rückgang von 2,2% im Periodenvergleich entspricht.

FOLGEN. Diese Entwicklung ist zwar vielleicht noch aus gesundheitlicher Sicht erfreulich, bzw. nicht erschreckend, wirtschaftlich und strukturell allerdings ganz und gar nicht. Denn Wein ist in Österreich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der mehr als 68.000 Arbeitsplätze sichert, eine Bruttowertschöpfung von 3,8 Mrd. € generiert und 1,2 Mrd. € in die Staatskassen spült – so die Zahlen der aktuellen Wertschöpfungs-Studie, die die Economica GmbH im Auftrag der ÖWM durchgeführt hat. Die heimischen Winzer:innen stehen allerdings unter Druck, was naturgemäß zu Unmut in der Branche führt. Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager: „Unsere Weinbaubetriebe sind aktuell durch rekordhohe Produktionskosten, rückläufigen Weinkonsum, überbordende Bürokratie und zunehmenden internationalen Wettbewerb stark unter Druck. Daher brauchen wir mehr denn je einen Schulterschluss zwischen Politik und Weinwirtschaft. So wäre es sehr wünschenswert, wenn der Bund, der nachweislich stark durch Einnahmen aus der Weinwirtschaft profitiert, wieder einen Finanzierungsbeitrag an die ÖWM leistet.“

POTENTIALE. Handlungsbedarf sieht man bei der ÖWM insbesondere auch bei der jungen Zielgruppe, denn hier lässt der Alkoholkonsum am deutlichsten nach. Chris Yorke, GF der ÖWM: „Wir sehen, dass jüngere Konsument:innen (Anm.: 20- bis 35-Jährige) weniger Alkohol trinken – aber: Wein ist bei ihnen immer noch das beliebteste alkoholische Getränk.“ Eine neue Kampagne, die die jungen Leute und den österreichischen Wein zusammenbringen soll, wird in Kürze vorgestellt. Und auch vom Bio-Weinbau verspricht man sich noch einiges. Mittlerweile sind rund 25% der österreichischen Rebflächen Bio-zertifiziert, ein Spitzenwert – auch global gesehen: Bereits 2023 lag Österreich laut „The World of Organic Agriculture 2025“ (FiBL & IFOAM) mit 22,6% Bio-Anteil auf Platz 1 aller bedeutenden Weinbaunationen – weit vor Spanien (17,8%), Frankreich (17,4%) oder Italien (14,6%). Yorke erklärt: „Umweltbewusster Weinbau – ob biologisch, biodynamisch oder nachhaltig – eröffnet auch neue Geschäftschancen. Denn solche Weine werden von manchen Kundenschichten und Exportländern stark nachgefragt.“

ALKOHOLFREI. Angesichts des Trends in Richtung Alkoholverzicht ist es kein Wunder, dass entalkoholisierter Wein und Schaumwein als Nische wächst und zunehmend ernst genommen wird. Und auch wenn Verkostungen, wie zuletzt jene vom VKI, geschmacklich nicht das Ergebnis bringen, das man sich als Weintrinker:in wünscht, so ist doch zu beobachten, dass Qualität, Geschmack und Auswahl über die letzten Jahre deutlich gestiegen sind. Aber diesem Thema widmen wir uns ein anderes Mal ausführlicher.