Zur Lage der Tafel-Runde

© Pixel-Shot/shutterstock

Am Tafel-Markt ist derzeit Spannendes zu beobachten: Ein exorbitanter Kakaopreis mit unweigerlich steigenden Endverbraucherpreisen führt zu einer gewissen Kaufzurückhaltung. Aber: Premium-Produkte legen weiter zu.

Kategorie: Food

In den Kakao-Anbauländern zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels bereits drastisch: Wetterextreme von Dürre bis zu übermäßigen Niederschlägen führten zuletzt zu Missernten – der Rohstoff Kakao ist in Folge knapp und somit teuer. Spekulanten treiben den Preis weiter in die Höhe. Finanzen.net berichtet von Steigerungen im Ausmaß von +149% innerhalb eines Jahres. Den Schokoladeproduzenten bereitet das natürlich Kopfzerbrechen. „Der hohe Kakaopreis stellt weiterhin eine Herausforderung für uns dar“, berichtet etwa eine Mediensprecherin von Lindt & Sprüngli, die ankündigt, dass weitere Preissteigerungen erforderlich sein werden. Die immensen Rohstoffkosten können weder Hersteller noch Handel alleine „schlucken“, und somit werden vielerorts die bereits erfolgten Erhöhungen schlicht nicht ausreichen. Die gestiegenen Preise sind auch an den aktuellen Marktzahlen ablesbar. „Der Gesamt-Tafelmarkt konnte im Jahr 2024 im Umsatz um +7,4% wachsen. Mengenmäßig ist die Entwicklung leider negativ und der Markt hat einen Rückgang von -3,7% gegenüber dem Vorjahr zu verbuchen“, berichtet Lisa-Maria Ferstl, Business Unit Director & Marketingleitung Storck, bezugnehmend auf Nielsen-Daten (LEH inkl. H/L, Gesamtjahr 2024 vs. VJP.). Denn natürlich dämpfen Preissteigerungen bei vielen Konsument:innen die Kauflaune. „Der Absatzrückgang lässt eine gewisse Zurückhaltung im Konsum erahnen“, meint dazu Lisa-Maria Ferstl, Storck, und geht ins Detail: „Bei den Mainstream-Tafeln und Handelsmarken ist die Preissensibilität deutlich zu erkennen.“ Herwig Pfoser, Head of Sales DACH bei Tony’s Chocolonely, meint: „Die Preissteigerungen führen auch zu einer veränderten Kaufdynamik.“ Man rechnet hier mit einer verstärkten Nachfrage für kleinere Packungen. Derzeit bleibt Tony’s dennoch bei der gewohnten 180g-Einheit, sieht aber die Einführung eines 90g-Formats als realistische Reaktion auf mögliche weitere Preissteigerungen. Das Interesse an Produkten der Marke ist jedenfalls vorhanden, denn, so Pfoser: „Es zeigt sich auch ein wachsendes Bewusstsein für nachhaltigen Konsum. Dieser Trend eröffnet Chancen, durch hochwertige und nachhaltige Schokoladenprodukte das Interesse einer zunehmend verantwortungsbewussten Zielgruppe zu gewinnen.“ Und das ist natürlich immer sinnvoll. Bei Tony’s weist man darauf hin, dass die hohen globalen Kakaopreise nicht zwangsläufig bedeuten, dass auch die Kakaofarmer:innen mehr für ihre Ernte erhalten und viele weiterhin unterhalb eines existenzsichernden Einkommens arbeiten.

BITTE HOCHWERTIG. Spannend ist jedenfalls die Tatsache, dass Produkte im höherpreisigen Bereich trotz der nicht ganz rosigen äußeren Umstände sehr gefragt sind. „Im Premiumsegment der Tafeln scheinen die Konsument:innen nicht so preissensibel zu sein. Hier stehen die bekannten Markenwerte und die Qualität der Schokolade im Vordergrund“, so Lisa-Maria Ferstl, Storck. Es gibt also durchaus auch eine Käuferschicht, die nun mehr denn je Qualität über Quantität stellt und verstärkt im Premium-Segment zugreift. Dies bemerkt man auch bei Lindt. „Am österreichischen Schokolademarkt ist ein Trend zur Premiumisierung erkennbar. Konsument:innen sind bereit, für hochwertige und nachhaltige Produkte mehr zu bezahlen.“ Am deutlichsten wird die partielle Aufpreis-Bereitschaft wohl anhand des aktuellen Hypes von Dubai-Schokolade, den Tiktok & Co. bis in die Supermärkte schwappen ließen. Die Markenartikler sind sich einig, dass dies eine eher kurzfristige Begeisterung sein dürfte. Und doch bietet die neu entdeckte Vorliebe für die Kreation aus Schokolade, Pistaziencreme und Engelshaar Potentiale, die viele nicht ungenützt lassen möchten. So kam unlängst für kurze Zeit die „Lindt Dubai Chocolade“ auf den Markt – in einer limitierten Auflage von 1.000 Stück. In jenen ausgewählten Lindt-Boutiquen, wo sie erhältlich war, wurde sie um € 14,99 feilgeboten. Bei Ritter Sport setzt man ebenfalls auf die aktuell besonders große Liebe zu Pistazien und bringt dieser Tage eine entsprechende Erweiterung der „Nussklasse“-Linie in den Handel: eine Vollmilchschokolade-Tafel mit knackig gerösteten und leicht gesalzenen Pistazienstückchen.

BOMBIG. Auch abseits der Pistazien-Varianten sind Kreationen, die Genuss versprechen und einen gewissen Gönn-dir-Faktor haben, gefragt. Passend dazu hat Niemetz kürzlich die Tafelschokolade „Schwedenbomben Kokos“ präsentiert, die den Geschmack des Süßwaren-Klassikers in ein neues Format gebracht hat. Das Tafel-Segment wird somit für Niemetz noch relevanter als bisher. Helena Romanek, Head of Marketing Heidi Chocolat AG Niemetz Schwedenbomben: „Für Niemetz ist die Kategorie der Tafelschokoladen strategisch sehr bedeutsam. Wir haben in den vergangenen Jahren alle großen Niemetz-Marken (Anm.: „Schwedenbomben“, „Bobby“, „Manja“ und „Swedy“) im praktischen Tafelformat gelauncht. Damit folgen wir dem Innovationsgeist von Walter Niemetz und geben unseren Konsument:innen immer wieder neue Möglichkeiten, ihre Lieblingsmarken in verschiedenen Geschmackssorten zu genießen. Das Interesse und die Probierbereitschaft unserer markentreuen Käuferschaft sind groß!“

PFLANZLICH. Auch Interesse an rein pflanzlichen Schokoladen ist weiterhin vorhanden. „Der Trend zu veganen Produkten, einschließlich veganer Schokoladentafeln, setzt sich fort“, bestätigt man bei Lindt, wo man unter der Subbrand „Lindt Hello“ ebenso wie in der eigenen „Lindt Vegan“-Linie entsprechende Produkte parat hat. Ritter Sport setzt ebenfalls weiterhin stark auf dieses Thema und erweiterte jetzt sein veganes Sortiment um die Variante „Double Crunch“ mit knusprigen Cornflakes und gerösteten Maisstückchen.

FAZIT. Die hohen Rohstoffkosten fordern die Schokoladenerzeuger heraus wie noch nie. Tröstlich ist der Gedanke, dass Premium-Produkte starker Marken auch in schwierigen Phasen wie dieser gut angenommen werden.