Henkel im Griff

Birgit Rechberger-Krammer

Birgit Rechberger-Krammer

Birgit Rechberger-Krammer steht seit einigen Monaten als Präsidentin an der Spitze von Henkel CEE. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was sich bei Henkel in ihrer 25-jährigen Geschichte innerhalb des Unternehmens verändert hat und worin sie die Herausforderungen der Zukunft sieht.

PRODUKT: Eine 25-jährige Unternehmenszugehörigkeit ist heutzutage extrem selten – was hat Henkel, was andere Unternehmen nicht haben?
Birgit Rechberger-Krammer: Es kommt mir gar nicht so lange vor. Im Grunde liegt es an den Werten des Unternehmens. Und es waren immer spannende Herausforderungen: Alle zwei bis drei Jahre ein neuer Job, ein neues Land, neue Verantwortung, v.a. getrieben auch durch das Osteuropa-Engagement, das wir aus Wien heraus hatten und haben. Hinzu kommt, dass mir die Werte wie die Orientierung für Nachhaltigkeit und der Wert „Family Business“, der eine langfristige Unternehmensausrichtung bedeutet, persönlich einfach sehr liegen. Die Menschen, die Kultur – das passt zu mir.

PRODUKT: Zweieinhalb Jahrzehnte, das ist eine lange Zeit – was hat sich in dieser Zeit im Handel verändert?
Birgit Rechberger-Krammer: Als ich angefangen habe, war die österreichische Handelslandschaft ganz anders, da hat es noch Konsum gegeben und Pampam und Löwa, das waren meine ersten Kunden. Das hat sich dann bekanntermaßen stark konzentriert. Am spannendsten war sicher der technologische Fortschritt. Als ich begonnen habe, hatten wir hier noch Rohrpost, jetzt ist alles digitalisiert. Das hat natürlich auch die Zusammenarbeit total verändert.

PRODUKT: Und inwieweit haben sich die Zielgruppen und deren Bedürfnisse in den letzten 25 Jahren verändert?
Birgit Rechberger-Krammer: Wir waren in unseren Bereichen Kosmetik und Waschmittel immer sehr stark weiblich orientiert. Allerdings haben wir die Zielgruppe nach oben hin erweitert, denn die kaufkräftige Bevölkerung ist jetzt auch über 50. Das war früher nicht so. Das andere ist, dass sich die Bedürfnisse stärker segmentieren. Individualisierung ist in unserem Bereich vielleicht zu viel gesagt, aber wir setzen jetzt eher auf spitzere Konzepte statt auf den Mainstream. Außerdem ist natürlich Nachhaltigkeit ein viel größeres Thema als vor 20 Jahren. Gott sei Dank sind die Konsumenten mittlerweile bereit, dafür etwas zu bezahlen, das war früher nicht der Fall. Wenn man gewisse Rohstoffe nicht benutzt oder 100% recycletes Plastik verwendet, wie wir das bei „Lovables“ machen, da findet ein Umdenken statt. Eine weitere tiefgreifende Änderung gab es im Bereich Convenience: Früher hat es Pulverwaschmittelpulver und Flüssigwaschmittel gegeben, jetzt gibt’s auch Caps, die Leute wollen gern alles möglichst einfach haben, dieser Wunsch hat natürlich auch in der Produktwelt Spuren hinterlassen.

PRODUKT: 
Welche Herausforderungen gibt es für Henkel noch im Bereich Nachhaltigkeit?
Birgit Rechberger-Krammer: Das eine ist das Thema Verpackungen, da sind wir z.B. intensiv dran, mehr Recyclat einzusetzen. Weitere Ziele sind auch, dass alle unsere Verpackungsstoffe recyclebar sind und dass wir generell ein Zuviel an Verpackung vermeiden wollen. Bei den Rohstoffen gehen wir natürlich mit den EU-Richtlinien, aber auch darüber hinaus. Als ich in meiner letzten Rolle global verantwortlich war, und die EU Phosphate in Maschinengeschirrspülmitteln verboten hat, haben wir gesagt, wir machen das nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt. Ich glaube, dass wir bei Henkel prinzipiell beim „Gutes tun“ gar nicht schlecht sind, nur reden wir vielleicht noch zu wenig darüber.

PRODUKT: Gibt es dazu schon konkrete Pläne?
Birgit Rechberger-Krammer: Wir arbeiten derzeit beispielsweise für ausgewählte Marken an einem großen Kommunikationspaket inklusive unserer Zusammenarbeit mit NGOs wie Wastefree Ocean und Plastic Bank, etwa mit Aktivitäten in Haiti oder im Donaudelta.

PRODUKT: Was wird sich heuer bei Henkel in Bezug auf Produktneuheiten noch tun und wie wichtig sind Innovationen generell bei Henkel?
Birgit Rechberger-Krammer: Die Markenartikelindustrie hat nur dann eine Berechtigung, wenn sie nah am Konsumenten dran ist und die Innovationen bringt, die der Konsument auch kaufen möchte. Wir geben 2,3% unseres Budgets für Forschung & Entwicklung aus, auch um uns gegen die Private Labels abzusetzen. Wir haben gerade die Umstellung auf die kompakteren Waschmittel gemacht, das war ein Riesenprojekt, und wir haben unsere Verschlüsse auf E-Commerce Readyness umgebaut. Gleichzeitig haben wir neue Formulierungen eingeführt, z.B. mit 40% mehr Waschkraft bei „Persil“. Der nächste große Launch sind die „Somat“-Tabs in wasserlöslicher Folie und in einer wiederverschließbaren Folienverpackung. Außerdem führen wir „Blue Star Duft Switch“ ein – einen WC-Beckenstein, der je nachdem ob er trocken oder nass ist, seinen Duft wechselt.

PRODUKT: Sie setzen einerseits auf traditionelle Marken wie „Persil“, aber auch auf junge Konzepte wie „Lovables“ – was ist Ihre Strategie dahinter?
Birgit Rechberger-Krammer: Junge Leute mit spitzen Konzepten anzusprechen kann unter Mainstream-Marken schwierig sein. Wir überlegen uns sehr gut, wie weit man bestehende Marken stretchen kann, wie weit sie in bestimmten Bereichen glaubwürdig sind, denn für gewisse spitze Positionierungen ist es auch ein Nachteil, wenn sie von einer großen Marke kommen, etwa im Bereich Nachhaltigkeit.

PRODUKT: Was steht auf Ihrer To do-Liste aktuell ganz oben?
Birgit Rechberger-Krammer: Oberste Priorität hat für mich das Thema Nachhaltigkeit, außerdem möchte ich die digitale Transformation vorantreiben. Aber auch Frauen- und Talentförderung sind mir persönlich wichtige Anliegen.

PRODUKT: Vielen Dank für das Gespräch!

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